Der Tag, an dem eine neue Website online geht, fühlt sich an wie ein Abschluss — tatsächlich ist er der Anfang einer kurzen, sehr konkreten Phase. In den ersten vier Wochen entscheidet sich, ob die Seite als Arbeitsmittel funktioniert oder ob sie unbemerkt genau dort klemmt, wo Aufträge entstehen: beim Formular, beim Telefonlink, bei der Adresse, bei den Preisen. Dieser Beitrag ist deshalb weder ein Pflegeplan für die nächsten Jahre noch eine Fehlersuche für den Fall, dass gar nichts passiert. Er ist ein Fahrplan mit drei Marken — Tag 1, Woche 1 und Woche 4 — mit fester Reihenfolge, klarer Zuständigkeit und einem Grundsatz, der wichtiger ist als jede Einzelmaßnahme: In den ersten vier Wochen wird geprüft und gemessen, nicht umgebaut.
Livegang ist ein Zustand, kein Termin
Eine Website ist freigeschaltet, wenn sie unter ihrer Adresse erreichbar ist. Sie ist funktionsfähig, wenn eine fremde Person darüber Kontakt aufnehmen kann und dabei richtige Angaben vorfindet. Zwischen diesen beiden Zuständen liegen die ersten Wochen. Dass der Schritt an sich längst nichts Besonderes mehr ist, zeigt die Verbreitung: 94 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) der Handwerksbetriebe nutzen eine eigene Website. Grundlage ist eine telefonisch geführte, repräsentativ gewichtete Befragung von 504 (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) Betrieben aus dem Sommer 2025. Der Livegang ist damit Routine — und genau deshalb wird er häufig ohne Kontrolle abgehakt.
An der Technik im Betrieb liegt es dabei selten. Digitale Grundausstattung ist die Regel: 95 Prozent (Destatis, IKT-Erhebung 2025) der Unternehmen in Deutschland nutzten 2025 einen Festnetz-Internetzugang, 67 Prozent (Destatis, IKT-Erhebung 2025) davon mit einer vertraglich vereinbarten Übertragungsrate von mindestens 100 Mbit/s. Befragt werden dafür jährlich rund 20.000 (Destatis, IKT-Erhebung 2025) Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Der Unterschied zwischen einer Seite, die Anfragen bringt, und einer, die still bleibt, liegt also fast nie an der Leitung. Er liegt an Details, die man nach dem Start einmal anfassen muss — und die von außen niemand sieht, solange sie fehlen. Ob der Neubau überhaupt der richtige Schritt war, ist die Frage davor und im Beitrag wann sich eine neue Website lohnt beschrieben.
Was dieser Beitrag bewusst auslässt
Erreichbarkeit
Lässt sich die Seite überhaupt aufrufen und aufnehmen? Diese Prüfung dauert Minuten und verhindert den Fehler, der am längsten unbemerkt bleibt.
Anfragewege
Funktionieren Formular, Telefonlink und Adresse so, wie eine fremde Person sie benutzt? Das beantwortet nur ein echter Durchlauf, kein Blick auf den Bildschirm.
Harte Fakten
Stimmen Preise, Leistungen, Zuständigkeiten und Pflichtangaben? Eine falsche Zahl kostet mehr Vertrauen als ein unfertiges Detail im Layout.
Tag 1: ist die Seite abrufbar und indexierbar?
Aus der Bauphase bleiben regelmäßig zwei Schalter stehen, die genau dafür gedacht waren, eine unfertige Seite unsichtbar zu halten: ein Eintrag in der robots.txt, der das Abrufen untersagt, und ein noindex im Quelltext, das die Aufnahme in den Index verhindert. Während des Baus sind beide sinnvoll. Am Tag des Livegangs sind beide schädlich. Die Dokumentation von Google beschreibt die Wirkung unmissverständlich: Mit der Regel noindex wird eine Seite vollständig aus den Suchergebnissen entfernt (Google Search Central).
Tückisch ist die Kombination. Damit die Regel noindex überhaupt greifen kann, darf die Seite nicht zusätzlich per robots.txt blockiert sein — sonst bekommt der Crawler die Anweisung nie zu sehen (Google Search Central). Umgekehrt ist die robots.txt kein Werkzeug, um Inhalte aus der Suche herauszuhalten: Eine dort gesperrte Adresse kann weiterhin indexiert werden, wenn andere Websites auf sie verweisen (Google Search Central). Wer am Starttag nur eine der beiden Stellen kontrolliert, wiegt sich in Sicherheit, während die andere weiterarbeitet.
- Startseite im privaten Fenster aufrufen: ohne gespeicherte Anmeldung, ohne Zwischenspeicher des Browsers. So sehen Sie, was fremde Besucher sehen.
- robots.txt öffnen: Adresse plus /robots.txt. Steht dort noch ein pauschales Disallow aus der Bauphase, ist das der erste Fund des Tages.
- Quelltext nach noindex durchsuchen: im Browser den Seitenquelltext anzeigen und nach dem Wort suchen — auf der Startseite und auf zwei, drei Unterseiten.
- Beide Schreibweisen testen: mit und ohne www, einmal über http und einmal über https. Alle Varianten sollten auf derselben Adresse landen, nicht nebeneinander bestehen.
- Zertifikat prüfen: Wird die Seite ohne Sicherheitswarnung geladen, und gilt das auch für Unterseiten mit Bildern und Formular?
- Sitemap und Suchkonsole: Sitemap einreichen und die Property für die Domain anlegen, damit Sie überhaupt Daten bekommen.
- Fehlerseite ansehen: eine erfundene Unterseite aufrufen und prüfen, ob eine sinnvolle Fehlerseite mit Weg zurück erscheint.
Der teuerste Rest aus der Bauphase
Danach ist Geduld die Methode. Das Crawling kann einige Tage oder mehrere Wochen dauern (Google Search Central), und eine Crawling-Anfrage ist ausdrücklich keine Zusicherung, dass eine Seite sofort oder überhaupt in die Suchergebnisse aufgenommen wird (Google Search Central). Wer am dritten Tag Platzierungen erwartet, wird enttäuscht. Wer nach acht Wochen noch immer nicht auffindbar ist, hat ein anderes Problem — und findet die Prüfreihenfolge im Beitrag Ursachen, wenn die Website nicht gefunden wird. Wie lange ein Projekt bis zu diesem Punkt üblicherweise braucht, ordnet der Beitrag zum Zeitplan eines Website-Projekts ein.
Tag 1: die Wege testen, über die Geld hereinkommt
Der zweite Block am Starttag betrifft die Wege, über die Aufträge entstehen. Die Erwartung an Tempo ist dabei kein Gefühl, sondern messbar: 87 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) der befragten Betriebe beobachten, dass Kundinnen und Kunden individuelle Angebote und schnelle Erreichbarkeit erwarten. Gleichzeitig bieten 85 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) mindestens einen digitalen Service an, am häufigsten den digitalen Angebotsversand mit 68 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) und den digitalen Rechnungsversand mit 62 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025). Jeder dieser Wege beginnt mit einer Nachricht, die ankommen muss — und deren Ankunft niemand sieht, wenn sie ausbleibt.
Selbst absenden, mit Kennzeichen
Eine Testanfrage über das echte Formular schicken, mit einem Vermerk wie Prüfung Start im Nachrichtenfeld. So bleibt später nachvollziehbar, wann zuletzt erfolgreich geprüft wurde.
Eingang im Postfach bestätigen
Im echten Postfach nachsehen, nicht nur auf die Bestätigung im Browser vertrauen. Den Spam-Ordner ausdrücklich mit öffnen — dort landen Formularbenachrichtigungen besonders oft.
Absender und Rückweg prüfen
Kommt die Benachrichtigung von einer Adresse der eigenen Domain, und lässt sich direkt darauf antworten? Antworten Sie einmal, als wäre die Testanfrage echt.
Der zweite Weg ist noch banaler und wird noch häufiger übersehen: die Telefonnummer. Auf dem Bildschirm sieht sie immer richtig aus. Entscheidend ist, ob sie sich auf einem echten Mobiltelefon antippen lässt und dabei die richtige Nummer wählt — mit Ländervorwahl, ohne Trennzeichen, die das Wählen abbrechen lassen. Dasselbe gilt für die Adresse: Eine Route, die auf dem Nachbargrundstück oder im falschen Ortsteil endet, kostet Termine, ohne dass jemals jemand darauf hinweist.
- Telefonnummer antippen: auf einem echten Mobiltelefon, nicht in der Vorschau. Wählt das Gerät die vollständige, richtige Nummer?
- E-Mail-Adresse antippen: Öffnet sich ein Entwurf mit der richtigen Empfängeradresse — und ist es die Adresse, die auch wirklich gelesen wird?
- Adresse und Anfahrt gegenprüfen: Straße, Hausnummer, Ortsteil und Zufahrt. Bei Hinterhof, Gewerbegebiet oder abweichendem Eingang gehört ein Satz dazu.
- Öffnungs- und Erreichbarkeitszeiten: Stimmen sie mit dem überein, was im Betrieb tatsächlich gilt, inklusive Mittagspause und Anrufbeantworter?
- Formular auf dem Handy ausfüllen: Sind Felder, Tastatur und Absendeknopf mit dem Daumen bedienbar, und ist der Hinweis zum Datenschutz lesbar?
- Bestätigung nachvollziehen: Sieht die absendende Person, dass es geklappt hat — und bekommt sie eine Eingangsbestätigung, wenn eine vorgesehen ist?
Der Test, den niemand aus der Ferne machen kann
Wenn Sie ohnehin im Formular sind, lohnt der Blick auf Feldanzahl und Pflichtangaben. Was ein Formular leisten muss, damit aus einem Besuch eine Anfrage wird, beschreibt der Beitrag Kontaktformulare richtig aufsetzen; warum Erreichbarkeitsangaben so schnell altern und wie man sie aktuell hält, steht im Beitrag zu Öffnungszeiten und Erreichbarkeit.
Woche 1: die harten Fakten gegenlesen
In der ersten Woche geht es nicht mehr um Technik, sondern um Inhalte, die man nicht schätzen kann. Beim Bau entstehen Texte schnell, Zahlen werden aus alten Unterlagen übernommen, Zuständigkeiten aus dem Gedächtnis eingetragen. Genau dort sitzen die Fehler, die später teuer werden: ein Preis, der so nicht mehr gilt, eine Leistung, die der Betrieb aufgegeben hat, eine Durchwahl, die ins Leere führt. Anders als ein schiefes Layout fällt so etwas niemandem auf, der die Seite gebaut hat — es fällt nur denen auf, die danach handeln.
- Preise und Konditionen: Jede Zahl gegen die aktuelle Kalkulation prüfen, inklusive Zusätzen wie Anfahrt, Mindestmenge oder Stundensatz. Angaben mit zeitlicher Begrenzung bekommen sofort ein Ablaufdatum im Kalender.
- Leistungsumfang: Steht dort etwas, das nicht mehr angeboten wird? Und fehlt umgekehrt ein Bereich, der seit Monaten nachgefragt wird?
- Zuständigkeiten: Sind die genannten Personen noch im Betrieb, noch für dieses Thema zuständig und unter der angegebenen Durchwahl erreichbar?
- Impressum: Rechtsform, vertretungsberechtigte Person, ladungsfähige Anschrift, Registergericht und Registernummer sowie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gegen die Unterlagen abgleichen — nicht aus dem Kopf.
- Kammer und Aufsicht: Bei zulassungspflichtigen Gewerken und reglementierten Berufen gehören zuständige Kammer, Berufsbezeichnung und Verleihungsstaat dazu.
- Datenschutzerklärung: Beschreibt sie das, was die Seite tatsächlich tut — Formular, Schriften, Karten, Reichweitenmessung, Bewerbungen?
- Einwilligungen: Lässt sich der Consent-Hinweis bedienen, ablehnen und später ändern, und passt seine Auswahl zu dem, was die Seite lädt?
Vier Augen, die nicht mitgebaut haben
Für die Frage, wie ausführlich Preise überhaupt auf der Seite stehen sollten, gibt es eine eigene Abwägung im Beitrag Preise auf der Website zeigen. Welche Angaben in Impressum und Datenschutzerklärung erwartet werden, ist im Beitrag zu den Pflichtangaben in Rechtstexten zusammengestellt. Beides gehört in die erste Woche, weil es nach dem Start sofort öffentlich wirkt.
Woche 1: alte Adressen und Weiterleitungen
Dieser Abschnitt betrifft nur Betriebe mit einer Vorgängerseite — dann allerdings mit Nachdruck. Jede Adresse der alten Seite, die irgendwo verlinkt, gedruckt oder gespeichert ist, führt nach dem Umstellen entweder auf ein passendes Ziel oder ins Nichts. Die alten Adressen verschwinden nicht, nur weil die neue Seite schöner ist: Sie stehen in Verzeichnissen, in E-Mails, in PDF-Angeboten und in den Lesezeichen von Bestandskunden.
| Fall | Was ohne Weiterleitung passiert | Was in Woche 1 zu tun ist |
|---|---|---|
| Unterseite umbenannt oder entfallen | Alte Adresse endet auf einer Fehlerseite; Besucher springen ab, Verweise laufen ins Leere | Jede alte Adresse einem inhaltlich passenden Ziel zuordnen, nicht pauschal auf die Startseite |
| Wechsel der Domain | Bestehende Verweise und Lesezeichen führen auf die alte Adresse, die neue startet ohne Vorgeschichte | Dauerhafte Weiterleitung von der alten auf die neue Domain einrichten und die alte Domain vorerst behalten |
| www und Nicht-www parallel | Dieselben Inhalte sind unter zwei Adressen erreichbar; Auswertung und Verweise verteilen sich | Eine Schreibweise festlegen, die andere dauerhaft dorthin weiterleiten |
| http ohne Verschlüsselung erreichbar | Browser zeigen Warnungen, Formulare wirken unsicher | Alle Aufrufe auf die verschlüsselte Adresse umleiten und das im privaten Fenster nachprüfen |
| Verlinkte Dateien und Merkblätter | Preislisten und Formulare aus Angeboten und E-Mails sind nicht mehr abrufbar | Dateien unter der alten Adresse belassen oder gezielt weiterleiten, Verweise in Vorlagen aktualisieren |
Wie eine vollständige Zuordnung aufgebaut wird, welche Statuscodes dabei sinnvoll sind und wie man Weiterleitungsketten vermeidet, beschreibt der Beitrag zum Relaunch ohne Rankingverlust im Detail. Für die Startphase reicht die einfache Regel: Erst zuordnen, dann abschalten — und die alte Domain nicht im ersten Monat kündigen.
Woche 2: externe Einträge nachziehen
Die Website ist nur eine von vielen Stellen, an denen dieselben Angaben stehen. Wird sie geändert, ohne dass der Rest nachgezogen wird, entstehen genau die Widersprüche, die Interessenten misstrauisch machen. Wie viele Stellen das sind, zeigt der Blick auf die genutzten Kanäle: 88 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) der Betriebe pflegen Einträge in Online-Verzeichnissen, 56 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) sind in sozialen Netzwerken präsent oder werben dort, 40 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) sind auf Bewertungsplattformen eingetragen und 32 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) betreiben E-Mail- oder Newsletter-Versand. Jede dieser Stellen trägt eine Adresse, eine Telefonnummer und oft auch Öffnungszeiten.
Unternehmensprofil
Der Eintrag, über den viele lokale Suchen laufen: Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und der Verweis auf die neue Website.
Branchenverzeichnisse
Regionale und fachliche Verzeichnisse, Innungs- und Verbandslisten. Oft jahrealt eingetragen und selten geprüft — aber gut sichtbar.
Profile in sozialen Netzen
Der Verweis in der Kurzbeschreibung, die Kontaktangaben im Profil und angeheftete Beiträge mit alten Adressen.
E-Mail-Signatur
Die Signatur aller Postfächer im Betrieb, inklusive Mobilgeräten und Abwesenheitsnotizen. Sie geht öfter raus als jede Anzeige.
Fahrzeuge und Schilder
Beschriftung, Bauschilder und Aufsteller. Nicht alles lässt sich sofort ändern — aber die alte Adresse muss dann wenigstens weiterleiten.
Drucksachen und Vorlagen
Flyer, Visitenkarten, Angebots- und Rechnungsvorlagen, Auftragsbestätigungen. Vorlagen zuerst, gedrucktes Material beim nächsten Nachdruck.
- Eine Schreibweise festlegen: Adresse überall gleich schreiben, mit derselben Entscheidung für oder gegen www — Uneinheitlichkeit wirkt unsauber und erschwert die Auswertung.
- QR-Codes prüfen: Codes auf Fahrzeugen, Schildern und Drucksachen zeigen oft noch auf alte Unterseiten. Ohne Weiterleitung führen sie ins Leere.
- Alte Telefonnummern aufspüren: Nummern aus früheren Anschlüssen stehen erstaunlich lange in Verzeichnissen und Signaturen.
- Bilder und Logo angleichen: Ein Profilbild von 2019 neben einer neuen Website wirkt wie zwei verschiedene Betriebe.
- Öffnungszeiten überall identisch halten: Abweichungen zwischen Website und Eintrag sind der häufigste stille Widerspruch — und der teuerste, weil Leute vor verschlossener Tür stehen.
Eine neue Website ändert nichts an den Angaben, die anderswo über den Betrieb im Umlauf sind. Sie macht nur sichtbar, wie alt sie geworden sind.
Der wichtigste Einzeleintrag ist in den meisten Fällen das Unternehmensprofil, weil es in lokalen Ergebnissen weit oben steht und Angaben direkt anzeigt. Wie es eingerichtet und aktuell gehalten wird, beschreibt der Beitrag zum Unternehmensprofil bei Suchmaschinen.
Zugänge, Zuständigkeiten und Fristen dokumentieren
Der organisatorische Teil ist der unbeliebteste und der, dessen Fehlen am spätesten auffällt — meist dann, wenn eine Person nicht erreichbar ist. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stellt für den Ernstfall genau die Fragen, die man vorher klären sollte: „Wer darf entscheiden, ob alle Computer heruntergefahren oder der Webshop vom Netz genommen wird? Wer ist im Notfall außerhalb der Bürozeiten erreichbar? Wer ist befugt, Entscheidungen zu treffen?“ (BSI). Dass diese Fragen selten beantwortet sind, zeigt die Praxis: Nur 15 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) der befragten Handwerksbetriebe verfügen über klar geregelte Abläufe für den Fall eines Angriffs, 81 Prozent (Bitkom, Digitalisierung des Handwerks 2025) haben kein strukturiertes Notfallmanagement etabliert.
- Zugangsliste anlegen: Domain, Hosting, Postfächer, Redaktionszugang, Auswertung und Unternehmensprofil — jeweils mit Zugangsweg, verantwortlicher Person und Vertretung.
- Zweiten Faktor einschalten: Das BSI empfiehlt die Einrichtung einer Zwei-Faktor-Authentisierung überall dort, wo sie möglich ist (BSI). Für Domain und Postfach zuerst.
- Passwörter sauber verwalten: Für viele Zugänge empfiehlt das BSI den Einsatz eines Passwortmanagers (BSI) — Zettel im Büro und geteilte Sammelpasswörter sind die schlechtere Lösung.
- Inhaberdaten der Domain prüfen: Die Registrierungsstelle verlangt vollständige und zutreffende Angaben mit Straßenanschrift; eine Postfachadresse genügt ausdrücklich nicht (DENIC). Der Betrieb selbst gehört dort eingetragen, nicht der Dienstleister.
- Verlängerungsdatum notieren: Datum, Zahlungsweg und zuständige Person in den Kalender, mit Erinnerung mehrere Wochen vorher.
- Sicherung anlegen und testen: Das BSI rät ausdrücklich, Sicherungskopien anzulegen und diese regelmäßig zu testen (BSI). Eine ungeprüfte Sicherung ist eine Annahme, kein Schutz.
- Vertretung schriftlich regeln: Wer übernimmt bei Urlaub und Krankheit, und wer darf kleine Korrekturen ohne Rückfrage vornehmen?
Die Domain gehört dem Betrieb
Wie Domain, Postfächer und Weiterleitungen zusammenhängen und welche Adressen ein Betrieb sinnvollerweise einrichtet, ist im Beitrag zu Domain und geschäftlicher E-Mail-Adresse beschrieben. Für die Startphase reicht ein Blatt Papier oder eine Tabelle mit vier Spalten: Dienst, Zugangsweg, verantwortliche Person, Vertretung.
Woche 4: der erste Rückblick mit Daten
Nach vier Wochen liegen zum ersten Mal eigene Zahlen vor — wenig, aber echt. Die Suchkonsole ist dafür das naheliegende Werkzeug: Sie gibt Websiteinhabern Aufschluss darüber, wie ihre Website in der Suche abschneidet (Google Search Central), zeigt im Leistungsbericht, wie viele Zugriffe über die Suche kommen, aufgeschlüsselt nach Suchanfragen, Seiten und Ländern mit Impressionen und Klicks (Google Search Central), und weist im Bericht zur Indexierung aus, welche Seiten aufgenommen wurden und wo es dabei Fehler gab (Google Search Central). Wichtiger als jede einzelne Kennzahl ist die Frage, was Sie damit anfangen.
- Welche Seiten wurden überhaupt aufgerufen? Wenn eine Leistungsseite gar nicht vorkommt, ist sie entweder nicht auffindbar oder nicht verlinkt.
- Welche Suchbegriffe führen zur Seite? Häufig sind es andere Wörter als die intern gebräuchlichen — das ist ein Hinweis für die Texte, nicht für die Technik.
- Wie viele Anfragen kamen, und über welchen Weg? Formular, Telefon, E-Mail und Laufkundschaft getrennt zählen, wenigstens grob in einer Strichliste.
- Welche Fragen kamen am Telefon? Jede Frage, die dreimal gestellt wurde, gehört als Antwort auf die Seite — meist in einen Abschnitt mit häufigen Fragen.
- Wo brechen Besucher ab? Wenn viele auf der Preisseite oder im Formular aussteigen, liegt dort die nächste sinnvolle Änderung.
Vier Wochen sind kein Urteil
Die erste Fassung einer Website ist eine begründete Annahme darüber, was Kundinnen und Kunden suchen. Die ersten vier Wochen liefern die ersten Hinweise, ob die Annahme stimmt — mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Wie sich Suchanfragen systematisch auswerten lassen und welche Schlüsse daraus tragfähig sind, beschreibt der Beitrag zum Auswerten von Suchanfragen. Ab hier endet die Startphase und die Routine übernimmt: Der monatliche, quartalsweise und jährliche Takt aus dem Beitrag Website-Pflege mit festem Rhythmus schließt direkt an diesen Rückblick an.
Der Fahrplan auf einen Blick
Die folgende Übersicht fasst zusammen, was wann ansteht und woran Sie erkennen, dass ein Punkt tatsächlich erledigt ist. Der Nachweis ist wichtiger als das Häkchen: Fast alle Fehler dieser Phase entstehen dadurch, dass jemand etwas für erledigt hält, ohne es benutzt zu haben.
| Zeitpunkt | Aufgabe | Woran Sie sehen, dass es erledigt ist |
|---|---|---|
| Tag 1 | robots.txt und noindex prüfen | Startseite und zwei Unterseiten im Quelltext ohne noindex, robots.txt ohne pauschales Disallow |
| Tag 1 | Adressvarianten und Zertifikat | Alle Varianten landen auf einer Adresse, keine Sicherheitswarnung im privaten Fenster |
| Tag 1 | Formular absenden | Testnachricht liegt im echten Postfach, Antwort darauf kommt zurück |
| Tag 1 | Telefonlink und Route | Nummer wählt auf dem Mobiltelefon, Route endet am richtigen Eingang |
| Woche 1 | Fakten gegenlesen | Zweite Person hat Preise, Leistungen und Impressum gegen die Unterlagen geprüft |
| Woche 1 | Alte Adressen zuordnen | Stichprobe alter Adressen landet auf passenden Zielen statt auf Fehlerseiten |
| Woche 1 | Zugänge und Fristen notieren | Tabelle mit Dienst, Zugangsweg, Verantwortung und Vertretung liegt vor |
| Woche 2 | Externe Einträge angleichen | Unternehmensprofil, Verzeichnisse, Profile und Signaturen zeigen dieselben Angaben |
| Woche 4 | Rückblick mit Daten | Kurze Notiz mit Zahlen, offenen Fragen und genau einer geplanten Änderung |
Was eine Auslieferung ab Werk von der Liste nimmt
Ein großer Teil dieser Checkliste betrifft Technik, die mit dem Geschäft des Betriebs nichts zu tun hat: Zertifikate, Adressvarianten, Sitemap, Weiterleitungen, Rechtstextgerüst, Einwilligungen. Wer diese Punkte selbst zusammensetzt, muss sie auch selbst prüfen. Wer sie als Teil der Auslieferung bekommt, prüft nur noch das Ergebnis. Welche Wege es dafür grundsätzlich gibt und was sie unterscheidet, ist im Vergleich von Baukasten, Agentur und KI beschrieben.
Auslieferung und Adressen
Statische Auslieferung, eine festgelegte Schreibweise der Adresse und Umleitung aller Varianten dorthin — nicht als Sonderaufgabe, sondern als Standard.
Zertifikat und Verschlüsselung
Zertifikat einrichten und verlängern läuft im Hintergrund; die Prüfung am Starttag beschränkt sich auf einen Aufruf im privaten Fenster.
Sitemap und Indexierungssteuerung
Sitemap und robots.txt entstehen aus dem Seitenbestand. Ein noindex aus der Bauphase kann so nicht versehentlich stehen bleiben.
Weiterleitungen
Alte Pfade lassen sich hinterlegen, statt sie nachträglich in Serverdateien zu pflegen — der Punkt, an dem bei Relaunches am meisten verloren geht.
Rechtstexte als Gerüst
Impressum und Datenschutzerklärung entstehen als Gerüst mit den Angaben des Betriebs. Das Gegenlesen bleibt Aufgabe des Betriebs, das Zusammensuchen entfällt.
Einwilligungen
Der Consent-Hinweis ist Teil jeder Seite und passt zu dem, was tatsächlich geladen wird. Auch das gehört geprüft — aber nicht gebaut.
Übrig bleibt dann die Liste, die ohnehin niemand abnehmen kann: Preise, Leistungen, Zuständigkeiten, Erreichbarkeit, externe Einträge und der erste Rückblick nach vier Wochen. Wie eine so ausgelieferte Seite in der Praxis aussieht, zeigen die Demos; wenn Sie Ihre eigene Startliste einmal durchgehen möchten, ist ein kurzes Gespräch über Kontakt meist schneller als jede Vorlage.
Quellen und Studien