Am Anfang eines Website-Projekts steht selten die Frage nach Farben oder Schriften. Am Anfang steht die Frage, wer die Website eigentlich bauen soll. Vier Antworten sind im Umlauf: Man macht es selbst mit einem Baukasten, man beauftragt eine Agentur oder eine freiberufliche Person, man nutzt einen KI-gestützten Builder, oder jemand aus dem Bekanntenkreis übernimmt das. Jede dieser Antworten hat ihre Berechtigung, und keine passt zu jeder Ausgangslage. Dieser Beitrag stellt die vier Wege nebeneinander, bewertet sie an sieben Kriterien, die sich im Betriebsalltag bemerkbar machen, und benennt offen, wo der eigene Weg nicht der passende ist. Es geht ausdrücklich nicht darum, was Technik heute leisten kann — dazu gibt es einen eigenen Beitrag. Es geht um die Wahl des Weges.
Warum die Wegentscheidung schwerer wiegt als die Gestaltung
Eine Website ist kein Gegenstand, den man einmal kauft und dann besitzt. Sie ist ein Betriebsmittel mit Wartungsbedarf, mit rechtlichen Pflichten und mit einer Abhängigkeit von demjenigen, der sie technisch trägt. Deshalb wirkt die Entscheidung für einen Weg deutlich länger nach als jede Entscheidung über Layout oder Bildsprache. Wer sich für ein Layout falsch entscheidet, ändert es in einer Stunde. Wer sich für den falschen Weg entscheidet, merkt das oft erst nach anderthalb Jahren — wenn eine Preisliste veraltet ist, ein Rechtstext angepasst werden muss oder eine neue Leistung dazukommt und niemand greifbar ist, der die Änderung vornehmen kann.
Die Ausgangslage ist dabei nicht, dass Betriebe digital nichts tun. Das Gegenteil ist der Fall: 85 Prozent (Bitkom) der Handwerksbetriebe bieten mindestens einen digitalen Service an, 68 Prozent (Bitkom) versenden Angebote digital, 62 Prozent (Bitkom) auch Rechnungen, und 48 Prozent (Bitkom) ermöglichen eine Online-Terminbuchung. Zugleich setzen erst 4 Prozent (Bitkom) der Betriebe künstliche Intelligenz ein, weitere 9 Prozent (Bitkom) planen den Einsatz. Der Rückstand liegt also nicht im Willen, sondern in der Umsetzung — und die Umsetzung beginnt bei der Frage, wer sie übernimmt.
Auch die Verbreitung selbst ist längst kein Unterscheidungsmerkmal mehr. 92 Prozent (Bayerisches Landesamt für Statistik) der Unternehmen mit mindestens zehn tätigen Personen hatten 2025 eine Website, 64 Prozent (Bayerisches Landesamt für Statistik) veröffentlichten dort Stellenangebote und 27 Prozent (Bayerisches Landesamt für Statistik) boten ein Online-Buchungssystem an. Wer heute über eine Website nachdenkt, entscheidet also nicht mehr über das Ob, sondern über die Betriebsform: Wer baut, wer pflegt, wer haftet, wer bezahlt.
Die Wegwahl ist eine Organisationsentscheidung
Die vier Wege im Kurzportrait
Bevor Kriterien angelegt werden, gehört jeder Weg kurz beschrieben — ohne Wertung und ohne Produktnamen. Die Beschreibungen decken den Regelfall ab; jede der vier Varianten kennt Ausnahmen nach oben und nach unten.
Selbstbau mit Baukasten
Sie mieten eine Plattform, wählen eine Vorlage und füllen sie mit Ihren Inhalten. Aufbau, Texte, Bilder und Pflege liegen bei Ihnen. Die Plattform stellt Technik, Hosting und meist auch Vorlagen für Rechtstexte bereit.
Agentur oder Freelancer
Sie beauftragen einen Dienstleister mit Konzept, Gestaltung, Umsetzung und oft auch mit Texten und Fotos. Der Umfang steht im Angebot, spätere Änderungen laufen meist wieder über den Dienstleister.
KI-gestützter Builder
Sie beschreiben Betrieb, Leistungen und Zielgruppe, das System erzeugt daraus Struktur, Rohtexte und Layout. Sie prüfen, korrigieren und veröffentlichen. Änderungen erfolgen per Anweisung oder direkt im Editor.
Aus dem Bekanntenkreis
Eine Person aus dem Umfeld baut die Seite nebenher. Die Kosten sind niedrig, die Absprachen informell. Verfügbarkeit, Umfang und Zuständigkeit für spätere Pflege sind selten schriftlich festgehalten.
Diese vier Wege schließen sich nicht aus. In der Praxis kommen Mischformen häufig vor: Ein Betrieb lässt Struktur und erste Texte erzeugen und gibt sie danach an eine Fachperson zur Überarbeitung. Oder eine Agentur baut die erste Fassung, der Betrieb pflegt anschließend selbst. Entscheidend ist weniger die reine Lehre als die Frage, wer für welchen Teil zuständig ist — und ob das jemand aufgeschrieben hat.
Sieben Kriterien, an denen sich die Wege unterscheiden
Die folgenden sieben Kriterien haben sich als die Punkte erwiesen, an denen sich Projekte im Nachhinein entscheiden. Sie sind bewusst nicht nach Sympathie sortiert, sondern nach dem, was im zweiten Jahr Arbeit macht oder Geld kostet. Die Tabelle beschreibt Regelfälle, keine Zusagen — jeder Anbieter und jeder Dienstleister weicht davon nach oben oder unten ab.
| Kriterium | Baukasten (Selbstbau) | Agentur oder Freelancer | KI-gestützter Builder | Aus dem Bekanntenkreis |
|---|---|---|---|---|
| Zeit bis online | Tage bis Wochen, abhängig von der eigenen freien Zeit | Mehrere Wochen bis Monate, inklusive Abstimmung und Zulieferung | Stunden bis Tage bis zum ersten vollständigen Entwurf | Unbestimmt, weil die Arbeit neben dem Hauptberuf läuft |
| Einmalige Kosten | Gering, im Wesentlichen die eigene Arbeitszeit | Der größte Posten des Projekts, dafür mit Leistungsbeschreibung | Gering, der Aufwand liegt in Briefing und redaktioneller Prüfung | Sehr gering, dafür ohne verbindliche Leistungszusage |
| Laufende Kosten | Monatliches Abo plus Domain | Hosting plus Wartungs- oder Betreuungspauschale, Änderungen nach Aufwand | Monatliches Abo plus Domain, Änderungen im Rahmen des Tarifs | Hosting und Domain, die Arbeitszeit bleibt unbezahlt |
| Wer kann später ändern | Sie selbst, im Rahmen dessen, was der Baukasten zulässt | In der Regel der Dienstleister, je nach Vereinbarung auch Sie | Sie selbst, per Anweisung oder direkt im Editor | Die eine Person, die die Seite gebaut hat |
| Abhängigkeit vom Anbieter | Vom Plattformanbieter; der Export ist oft auf Texte und Bilder begrenzt | Vom Dienstleister, seiner Auslastung und seiner Erreichbarkeit | Vom Plattformanbieter; Domain und Inhalte bleiben in Ihrer Hand | Von einer Einzelperson und deren Zeitbudget |
| Technische Qualität | Schwankt je nach Vorlage, Bildmaterial und Zusatzfunktionen | Vertraglich vereinbar, wenn Messwerte im Angebot stehen | Im System hinterlegt, weil Aufbau und Auslieferung vorgegeben sind | Ungeprüft, weil Messwerte selten Gegenstand der Absprache sind |
| Pflichtthemen abgedeckt | Eigenleistung; Vorlagen ersetzen die inhaltliche Prüfung nicht | Teil des Auftrags, sofern ausdrücklich vereinbart und abgenommen | Als Grundgerüst eingebaut, die inhaltliche Prüfung bleibt bei Ihnen | Meist ungeklärt; die Verantwortung bleibt beim Betrieb |
Zwei Zeilen dieser Tabelle werden regelmäßig unterschätzt. Die erste ist „Wer kann später ändern": Sie entscheidet darüber, ob eine geänderte Öffnungszeit am selben Tag online ist oder drei Wochen später. Die zweite ist „Abhängigkeit vom Anbieter": Sie entscheidet darüber, wie aufwendig ein Wechsel wird, wenn er nötig wird. Beide Zeilen kosten am Anfang nichts und später viel.
Prüfen Sie die Ausstiegskosten, bevor Sie einsteigen
Zeit bis online, einmalige Kosten, laufende Kosten
Zeit ist das Kriterium, bei dem die Wege am weitesten auseinanderliegen — und zugleich das, bei dem am häufigsten falsch gerechnet wird. Der Engpass eines Agenturprojekts ist selten die Agentur, sondern die Zulieferung aus dem Betrieb: Texte über Leistungen, Fotos vom Team, Angaben zu Preisen und Abläufen. Der Engpass beim Selbstbau ist die eigene freie Zeit, die im Handwerk oder in der Praxis abends und am Wochenende liegt. Der Engpass beim KI-gestützten Weg ist die redaktionelle Prüfung: Ein Entwurf ist schnell da, die Verantwortung für jeden Satz bleibt trotzdem im Betrieb.
Bei den Kosten lohnt die Trennung zwischen einmalig und laufend, weil beide Seiten unterschiedlich wirken. Der einmalige Betrag ist sichtbar und wird verglichen. Der laufende Betrag ist klein und wird übersehen, obwohl er über fünf Jahre den größeren Anteil ausmachen kann. Wie sich beide Seiten sauber planen lassen, ohne dass am Ende Überraschungen stehen, beschreibt der Beitrag zur Trennung von einmaligen und laufenden Website-Kosten im Detail.
- Einmalig: Konzept, Struktur, Texte, Fotos, Logo oder Bildbearbeitung, Einrichtung der Domain, Umzug bestehender Inhalte.
- Laufend: Abo oder Hosting, Domain, E-Mail, Wartung und Aktualisierung, redaktionelle Pflege, Erweiterungen.
- Unsichtbar: Ihre eigene Arbeitszeit für Zulieferung, Abstimmung, Korrekturschleifen und Freigaben.
- Später: Anpassung der Rechtstexte, Wechsel des Anbieters, Überarbeitung nach einigen Jahren, neue Leistungen und Seiten.
Eine Faustregel aus Projekten: Wenn ein Weg beim einmaligen Betrag deutlich günstiger ist, prüfen Sie, welcher Teil der Arbeit dabei zu Ihnen verschoben wurde. Wenn ein Weg beim laufenden Betrag deutlich günstiger ist, prüfen Sie, was im Abo enthalten ist und was nach Aufwand abgerechnet wird (Projekterfahrung). Beides ist legitim — es sollte nur bewusst entschieden sein.
Technische Qualität ist messbar
Ladezeit und mobile Bedienbarkeit sind keine Geschmacksfragen. Mit den Core Web Vitals liegen drei Messwerte mit klaren Schwellen vor: Largest Contentful Paint unter 2,5 Sekunden, Interaction to Next Paint unter 200 Millisekunden und Cumulative Layout Shift unter 0,1, jeweils bewertet am 75. Perzentil der realen Aufrufe (Google web.dev). Diese Werte lassen sich vor der Beauftragung als Zielgröße vereinbaren und nach der Übergabe nachmessen — unabhängig davon, welchen Weg Sie gewählt haben.
Der Blick auf die Gesamtlage zeigt, warum das relevant ist: Nur 48 Prozent (HTTP Archive) der mobil aufgerufenen Websites bestehen alle drei Core Web Vitals. Am häufigsten hakt es bei der Ladezeit: 62 Prozent (HTTP Archive) erreichen einen guten LCP-Wert, während 77 Prozent (HTTP Archive) beim INP und 81 Prozent (HTTP Archive) beim CLS im grünen Bereich liegen. Eine Website, die auf dem Rechner der Erstellerin schnell wirkt, kann auf einem drei Jahre alten Telefon im Mobilfunknetz eine ganz andere Erfahrung sein.
- Vereinbaren Sie Messwerte schriftlich, nicht Adjektive: „LCP unter 2,5 Sekunden auf Mobilgeräten" statt „schnell".
- Lassen Sie auf einem echten Mobilgerät im Mobilfunknetz gegenprüfen, nicht nur im WLAN am Schreibtisch.
- Klären Sie, wie viele Skripte und externe Einbindungen die Seite lädt — jede Einbindung ist Ladezeit und ein Datenschutzthema.
- Fragen Sie, was mit der Ladezeit passiert, wenn später Fotos, Formulare oder eine Galerie dazukommen.
- Prüfen Sie die Bedienbarkeit am Daumen: Abstände, Schaltflächengrößen, Formularfelder, Telefonnummer als Anruf-Link.
Wie sich hohe Messwerte technisch erreichen lassen und warum die Art der Auslieferung dabei mehr wiegt als die Wahl der Vorlage, ist im Beitrag zur statischen Auslieferung und PageSpeed-Bewertung beschrieben. Welche Bedienelemente auf kleinen Bildschirmen tatsächlich funktionieren, behandelt der Text zur Bedienbarkeit auf dem Handy.
Pflichtthemen: Impressum, Datenschutz, Consent, Barrierefreiheit
Beim vierten Kriterienblock trennen sich die Wege besonders deutlich, weil hier Verantwortung und Ausführung auseinanderfallen können. Impressum und Datenschutzerklärung müssen zum tatsächlichen Betrieb passen, nicht zu einer Vorlage. Eine Einwilligungslösung ist nur dann eine Einwilligungslösung, wenn sie vor dem Setzen nicht notwendiger Cookies greift und eine Ablehnung genauso leicht macht wie eine Zustimmung. Und seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für Produkte und Dienstleistungen, die danach für Verbraucher angeboten werden (BFSG); Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen davon ausgenommen (BFSG).
Dass dieser Bereich in der Breite noch offen ist, zeigt die jährliche Auswertung der eine Million meistbesuchten Startseiten: Auf 95,9 Prozent (WebAIM) wurden automatisch erkennbare WCAG-Verstöße gefunden, nach 94,8 Prozent (WebAIM) im Vorjahr, bei durchschnittlich 56,1 (WebAIM) unterschiedlichen Fehlern je Seite. Automatische Prüfungen erfassen dabei nur einen Teil der Kriterien — die tatsächliche Lage dürfte also eher darunter als darüber liegen.
Verantwortung lässt sich beauftragen, aber nicht abgeben
Praktisch heißt das: Beim Selbstbau und beim Weg über den Bekanntenkreis müssen Sie die Prüfung selbst organisieren. Bei einer Agentur gehört sie in die Leistungsbeschreibung, sonst ist sie nicht beauftragt. Bei einem KI-gestützten Builder ist das Grundgerüst in der Regel eingebaut, die inhaltliche Richtigkeit bleibt trotzdem bei Ihnen. Was genau in Impressum und Datenschutzerklärung gehört, ordnet der Beitrag zu den Pflichtangaben auf der Unternehmenswebsite; die Anforderungen an eine tragfähige Einwilligungslösung für Cookies und die Reichweite der Barrierefreiheitspflichten für Unternehmen sind jeweils gesondert beschrieben.
Wann eine Agentur die bessere Wahl ist
Es gehört zur Ehrlichkeit eines Entscheidungsrasters, die Fälle zu benennen, in denen der eigene Weg nicht der beste ist. Für einen Teil der Vorhaben ist die Beauftragung einer Agentur oder einer erfahrenen freiberuflichen Person die sinnvollere Entscheidung — nicht als Notlösung, sondern weil die Aufgabe genau danach verlangt.
- Sonderfunktionen: Konfiguratoren, Rechner, Buchungslogik mit Ressourcenplanung, Mitgliederbereiche mit Rollen und Rechten.
- Verkauf mit Lager und Versand: Ein Shop mit Beständen, Versandregeln, Retouren und steuerlichen Besonderheiten ist ein eigenes System, keine Zusatzseite.
- Anbindung an vorhandene Software: Warenwirtschaft, Terminsoftware, Kassensystem, Branchenlösung oder ein Praxisverwaltungssystem — überall dort, wo Daten in beide Richtungen fließen sollen.
- Sehr eigenständige Gestaltung: Wenn die Marke ein durchgezeichnetes eigenes Erscheinungsbild braucht, das sich bewusst von jeder Vorlage löst.
- Umfangreiche Migration: Hunderte bestehende Seiten mit gewachsenen Adressen, Weiterleitungen und historischen Platzierungen in der Suche.
- Mehrere Standorte oder Marken: Wenn Strukturen, Rechtstexte und Redaktionsprozesse über mehrere Einheiten hinweg zusammenpassen müssen.
Der gemeinsame Nenner dieser Fälle: Es geht nicht um mehr Seiten, sondern um mehr Logik. Sobald eine Website mit einem anderen System sprechen, Zustände speichern oder Abläufe steuern soll, verschiebt sich der Schwerpunkt von Redaktion zu Entwicklung — und Entwicklung ist die Domäne von Dienstleistern mit einem Team dahinter. Ein brauchbarer Prüfsatz lautet: Wenn Sie die Anforderung nicht in fünf Sätzen aufschreiben können, ohne „und dann muss das System automatisch" zu sagen, ist es ein Entwicklungsprojekt.
Eine Website mit einem klaren Leistungsangebot ist ein Redaktionsprojekt. Eine Website, die Termine gegen Ressourcen prüft, ist ein Softwareprojekt. Wer beides gleich behandelt, unterschätzt entweder das zweite oder überbezahlt das erste.
Wann Selbstbau ausreicht
Die Gegenrichtung ist genauso real. Es gibt Vorhaben, bei denen ein Angebot über mehrere tausend Euro am Bedarf vorbeigeht, weil die Aufgabe schlicht klein ist. Wer allein arbeitet, ein überschaubares Leistungsangebot hat und in den nächsten Jahren nicht wachsen will, kommt mit einer sauber gemachten, kleinen Seite weit.
- Einzelperson ohne Team: Eine Seite, die erklärt, wer Sie sind, was Sie anbieten und wie man Sie erreicht.
- Eine bis fünf Seiten: Start, Leistungen, Über mich, Kontakt und die Pflichtseiten — mehr braucht es oft nicht.
- Kein Wachstumsziel: Wer ausgelastet ist und über Empfehlung arbeitet, braucht keine Sichtbarkeitsmaschine, sondern eine belastbare Visitenkarte.
- Klar begrenzter Zweck: Eine Seite, die vor allem Adresse, Öffnungszeiten und Erreichbarkeit korrekt und aktuell zeigt.
- Eigene Freude an der Sache: Wer Texte gern selbst schreibt und Bilder gern selbst aussucht, verliert dabei keine Zeit, sondern gewinnt Kontrolle.
Klein ist keine Ausrede für unvollständig
Drei Betriebsprofile mit Empfehlung
Kriterien werden greifbar, wenn man sie auf konkrete Ausgangslagen anwendet. Die folgenden drei Profile decken einen großen Teil der Fälle ab, die in der Praxis auftauchen. Die Empfehlung ist jeweils die Wahl, die unter den beschriebenen Bedingungen am wenigsten Reibung erzeugt — nicht die einzige vertretbare.
Handwerksbetrieb, 8 Mitarbeitende
Gewachsener Betrieb, feste Stammkundschaft, wachsender Bedarf an Bewerbungen. Die Website soll Leistungen zeigen, Anfragen aufnehmen und Stellen ausschreiben. Sonderfunktionen sind nicht geplant, Änderungen fallen mehrmals im Jahr an.
Praxis mit Terminwunsch
Feste Sprechzeiten, hoher Telefonaufwand, Wunsch nach Online-Terminen. Berufsrechtliche Vorgaben und besonders sensible Daten prägen jede Entscheidung. Der Terminteil ist der eigentliche Kern des Vorhabens.
Verein ohne Budget
Ehrenamtliche Struktur, kein nennenswerter Etat, wechselnde Zuständigkeiten im Vorstand. Gebraucht werden Termine, Ansprechpartner, Beitrittsformular und ein Ort für Berichte aus dem Vereinsleben.
Handwerksbetrieb mit acht Mitarbeitenden. Hier passt ein KI-gestützter Builder in den meisten Fällen am besten. Der Grund ist nicht die Geschwindigkeit beim ersten Entwurf, sondern die Änderbarkeit danach: Eine neue Leistung, ein neues Team-Foto, eine geänderte Stellenanzeige — das sind Redaktionsvorgänge, die im Betrieb selbst anfallen und dort erledigt werden sollten. Eine Agentur wird dann sinnvoll, wenn eine Anbindung an die Warenwirtschaft, ein Konfigurator oder ein Kundenportal dazukommt. Welche Inhalte im Handwerk tatsächlich Anfragen auslösen, ist im Beitrag zur Anfragegewinnung über die Handwerker-Website beschrieben.
Praxis mit Terminwunsch. Hier ist die Empfehlung zweigeteilt. Die Website selbst — Leistungsspektrum, Team, Anfahrt, Sprechzeiten, Pflichtseiten — lässt sich gut mit einem KI-gestützten Builder aufbauen und danach selbst pflegen. Die Terminbuchung dagegen ist der heikle Teil: Sie verarbeitet Gesundheitsdaten, sie muss zur Praxissoftware passen, und sie unterliegt berufsrechtlichen Anforderungen. Wo eine Anbindung an ein Praxisverwaltungssystem gewünscht ist, gehört dieser Teil in fachkundige Hände, während der Rest der Seite im Betrieb bleibt. Die berufsrechtlichen Grenzen ordnet der Text zur rechtssicheren Praxis-Website.
Verein ohne Budget. Hier ist Selbstbau die realistische Wahl, aber mit einer Bedingung: Der Umfang muss klein bleiben und die Zuständigkeit muss auf mindestens zwei Personen verteilt sein, damit ein Vorstandswechsel die Seite nicht stilllegt. Ein KI-gestützter Builder kann den Einstieg verkürzen, weil Struktur und Rohtexte nicht bei null beginnen; entscheidend bleibt aber, dass die Pflege ohne Fachwissen möglich ist. Was eine Vereinsseite tatsächlich leisten muss, behandelt der Beitrag zur Vereins-Website für Mitglieder und Ehrenamt.
| Profil | Empfehlung | Wechsel zur Agentur sinnvoll, sobald ... |
|---|---|---|
| Handwerksbetrieb, 8 Mitarbeitende | KI-gestützter Builder mit eigener Redaktion im Betrieb | eine Anbindung an die Warenwirtschaft, ein Konfigurator oder ein Kundenportal gebraucht wird |
| Praxis mit Terminwunsch | KI-gestützter Builder für die Website, Fachleistung für die Terminanbindung | Termine mit der Praxissoftware abgeglichen oder Patientendaten verarbeitet werden sollen |
| Verein ohne Budget | Selbstbau in klar begrenztem Umfang, Pflege auf zwei Personen verteilt | ein Mitgliederbereich mit Rollen, Beitragsverwaltung oder Zahlungsabwicklung entsteht |
Vier Fragen, die jeden Weg entscheiden
Wenn die Kriterien zu viele sind und die Profile nicht passen, bleiben vier Fragen übrig. Sie lassen sich in einer Vorstandssitzung, einem Bürogespräch oder auf einem Bierdeckel beantworten — und sie sortieren die vier Wege in den meisten Fällen zuverlässiger als jede Funktionsliste.
- Wer pflegt die Website in zwei Jahren? Nennen Sie einen Namen, keine Rolle.
- Was passiert, wenn der Anbieter oder Dienstleister nicht mehr da ist? Beschreiben Sie den Weg, nicht die Hoffnung.
- Wem gehört die Domain? Prüfen Sie den Eintrag, statt sich auf eine Zusage zu verlassen.
- Wer haftet für die Rechtstexte? Schreiben Sie auf, wer sie aktualisiert und wann.
Wer pflegt in zwei Jahren? Diese Frage entlarvt die meisten Fehlentscheidungen. Wenn die Antwort „das machen wir dann schon" lautet, ist sie unbeantwortet. Eine Website altert nicht durch Technik, sondern durch Inhalte: geänderte Preise, neue Mitarbeitende, ein anderes Leistungsangebot, aktualisierte Öffnungszeiten. Wer keinen Namen nennen kann, sollte den Weg wählen, der Änderungen am einfachsten macht — und das ist selten der, bei dem jede Kleinigkeit einen Auftrag auslöst. Wie sich Pflege als feste Routine organisieren lässt, beschreibt der Beitrag zur Pflegeroutine für Betriebe.
Was passiert, wenn der Anbieter weg ist? Dienstleister geben Geschäftsfelder auf, Plattformen ändern Tarife, Menschen wechseln den Beruf. Das ist normal und kein Vorwurf. Entscheidend ist, ob Sie darauf vorbereitet sind: Liegen Ihre Texte und Bilder in einer Form vor, die Sie mitnehmen können? Haben Sie Zugriff auf Domain und E-Mail-Konten? Existiert eine aktuelle Sicherung? Wo diese drei Antworten vorliegen, ist ein Anbieterwechsel unangenehm, aber beherrschbar.
Wem gehört die Domain? In Deutschland waren Ende Juni 2026 mehr als 18 Millionen (DENIC) de-Domains registriert — und ein Teil davon steht auf den Namen von Dienstleistern statt auf den Namen der Betriebe, für die sie genutzt werden. Die Domain ist die Adresse Ihres Betriebs im Netz; sie sollte auf den Betrieb registriert sein, mit Ihrer E-Mail-Adresse als Kontakt. Prüfen Sie das aktiv, bevor ein Konflikt entsteht. Die Grundlagen dazu, samt Zuständigkeiten und E-Mail-Einrichtung, sind im Beitrag zu Domain und geschäftlicher E-Mail-Adresse beschrieben.
Wer haftet für die Rechtstexte? Die kurze Antwort: der Betrieb, der die Website betreibt. Die längere Antwort betrifft die Arbeitsteilung: Wer erstellt die Texte, wer prüft sie auf Passung zum tatsächlichen Betrieb, wer aktualisiert sie, wenn sich ein Dienstleister oder ein Verfahren ändert? Ein Satz im Angebot oder im Vereinsprotokoll erspart hier später viel Diskussion.
Vier Fragen, vier Namen
So treffen Sie die Entscheidung in einer halben Stunde
Aus Kriterien, Profilen und Fragen lässt sich ein kurzer Ablauf bauen, der ohne Vorwissen funktioniert. Er ersetzt keine fachliche Beratung, sortiert aber die Möglichkeiten so weit, dass ein Gespräch mit einem Dienstleister oder eine Testphase bei einem Anbieter gezielt geführt werden kann.
- Schreiben Sie in drei Sätzen auf, was die Website leisten soll — ohne Funktionen, nur Zweck und Zielgruppe.
- Markieren Sie in der Kriterientabelle die zwei Zeilen, die für Sie am schwersten wiegen.
- Prüfen Sie an der Liste zu Sonderfunktionen, ob Ihr Vorhaben ein Entwicklungsprojekt ist.
- Beantworten Sie die vier Fragen mit Namen und Daten.
- Legen Sie ein Budget für einmalig und laufend getrennt fest, bevor Sie Angebote einholen.
- Vereinbaren Sie messbare Zielwerte für Ladezeit und mobile Bedienbarkeit, unabhängig vom gewählten Weg.
Ob jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt für eine neue Seite ist oder ob eine Überarbeitung der bestehenden reicht, ist eine vorgelagerte Frage — sie wird im Beitrag dazu behandelt, wann sich eine neue Website lohnt. Und wer wissen will, was heute technisch möglich ist und wo die Grenzen liegen, findet das im Beitrag zum Website-Bau mit KI; dieser Text hier beantwortet ausdrücklich nur die Frage nach dem Weg, nicht die nach der Technik.
Wie sich die vier Wege in ihren Merkmalen unterscheiden, ist auf unserer Übersicht zum Vergleich der Wege zusammengefasst. Der Ablauf von der ersten Beschreibung bis zur veröffentlichten Seite steht auf der Seite So entsteht eine Website Schritt für Schritt, und fertige Beispiele aus verschiedenen Branchen lassen sich in der Demo-Übersicht ansehen.
Der Weg, den man wieder verlassen kann
Quellen und Studien