Geplant, abgenommen und bewundert wird eine Website am großen Bildschirm. Benutzt wird sie in der Hand: 88 Prozent (Eurostat) der Menschen in der Europäischen Union gehen mit einem Mobilgerät ins Internet, deutlich mehr als mit Notebook oder Rechner. Zwischen diesen beiden Welten liegt ein blinder Fleck, der viele Anfragen kostet: Was auf einem 27-Zoll-Monitor mit Maus elegant wirkt, wird auf einem handbreiten Display mit Daumenbedienung zur Geduldsprobe. In diesem Beitrag geht es ausdrücklich nicht um Ladezeit, dafür gibt es einen eigenen Artikel, sondern um Bedienbarkeit: Schriftgrößen, Kontraste, Tippflächen, Telefonnummern, Öffnungszeiten, Preistabellen und Einblendungen. Am Ende steht eine Prüfanleitung, die Sie in zwanzig Minuten mit dem eigenen Telefon durchlaufen können.
Der kleine Bildschirm ist der Normalfall
Die Verteilung der Geräte ist eindeutig, und sie hat sich längst gedreht. Mobilgeräte sind mit 88 Prozent (Eurostat) der meistgenutzte Zugang zum Internet in der EU, Notebooks folgen mit 56 Prozent (Eurostat), stationäre Rechner und Tablets liegen bei jeweils 31 Prozent (Eurostat). In Deutschland nutzen 97 Prozent (Statistisches Bundesamt) der Menschen zwischen 16 und 74 Jahren das Internet, und etwa neun von zehn (Bitkom) besitzen ein Smartphone. Gleichzeitig betreiben rund 89 Prozent (Statistisches Bundesamt) der Unternehmen mit Internetzugang eine eigene Website. Die technische Grundvoraussetzung ist dabei fast überall erfüllt: 94 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) der mobil abgerufenen Seiten bestehen die Prüfung auf ein korrekt gesetztes Viewport-Meta-Tag, die Seiten skalieren also grundsätzlich. Genau hier entsteht das Missverständnis. Eine Seite, die sich technisch an die Bildschirmbreite anpasst, ist noch lange nicht bedienbar. Sie kann trotzdem zu kleine Schrift haben, Schaltflächen im Briefmarkenformat, eine Preistabelle, die seitlich verschwindet, und eine Telefonnummer, die sich nicht antippen lässt. Welche Seiten ein Betrieb überhaupt braucht, klärt der Beitrag welche Seiten eine Unternehmenswebsite braucht; wie diese Seiten sich auf dem Telefon anfühlen, entscheidet sich in den Details dieses Artikels.
Die mobile Fassung ist die maßgebliche Fassung
Andere Haltung
Ein erheblicher Teil der Nutzung findet einhändig statt: Das Gerät liegt in der Handfläche, bedient wird mit dem Daumen. Alles außerhalb seiner Reichweite kostet einen Griffwechsel.
Andere Umgebung
Gelesen wird im Sonnenlicht, im Bus, in der Werkstatt. Umgebungslicht, Spiegelungen und Bewegung schlucken Kontrast, den ein abgedunkelter Bürobildschirm noch großzügig zeigt.
Andere Absicht
Mobile Aufrufe sind häufig Sofortfragen: Wie lange habt ihr auf? Wo seid ihr? Wie erreiche ich euch? Diese drei Antworten gehören nach oben und nicht in eine Unterseite.
Lesbar: Schriftgröße, Zeilenlänge und Kontrast
Die erste Hürde ist banal und trotzdem weit verbreitet: zu kleine Schrift. Als Grundwert für Fließtext auf dem Telefon haben sich 16 Pixel etabliert, weil das der Standardgröße der meisten Browser entspricht und weil darunter die Zeichenhöhe bei normalem Leseabstand unangenehm wird. Alles, was kleiner gesetzt ist, zwingt zum Zoomen, und Zoomen ist auf einer Inhaltsseite kein Bedienschritt, sondern ein Notbehelf. Automatisierte Prüfungen greifen hier zu kurz: Der klassische Lighthouse-Test bemängelte erst, wenn 40 Prozent (Google, Lighthouse-Dokumentation) des Textes kleiner als 12 Pixel gesetzt sind, und 92 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) der mobilen Seiten bestehen ihn. Eine bestandene Prüfung bedeutet also lediglich, dass der Text nicht winzig ist, nicht dass er angenehm liest. Wichtiger als die absolute Zahl ist die Einheit: 66 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) der mobilen Seiten setzen Schriftgrößen in Pixeln, nur 9 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) in em und 4 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) in rem. Relative Einheiten sind der Grund, warum eine im System vergrößerte Schrift überhaupt durchschlägt. Die Norm ist an dieser Stelle deutlich: Text muss sich ohne Hilfsmittel auf 200 Prozent (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.4) vergrößern lassen, ohne dass Inhalt oder Funktion verloren gehen. Wie Sie Texte formulieren, damit sie auf kleinem Raum tragen, beschreibt der Beitrag über verständliche Website-Texte.
| Element | Größe auf dem Telefon | Was sonst passiert |
|---|---|---|
| Fließtext | 16 bis 18 Pixel | Der Text wird gezoomt, dabei verrutscht das Layout und die Zeile bricht ab |
| Zwischenüberschrift | 20 bis 24 Pixel | Die Gliederung verschwindet, die Seite wirkt wie ein durchgehender Block |
| Telefonnummer und Adresse | 18 Pixel, als Schaltfläche | Die wichtigste Information ist die am schwersten zu treffende |
| Formularbeschriftung | 16 Pixel, über dem Feld | Mobile Browser zoomen beim Fokus automatisch hinein und springen |
| Hinweis- und Fußzeilentext | mindestens 14 Pixel | Preisangaben, Fristen und Pflichthinweise werden faktisch unlesbar |
| Zeilenlänge | 45 bis 75 Zeichen | Zu lange Zeilen lassen die Augen beim Rücksprung die Zeile verlieren |
Der zweite Teil der Lesbarkeit ist der Kontrast, und hier ist die Lage deutlich schlechter als beim Schriftgrad. Nur 29 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) der mobilen Websites erreichen durchgehend ausreichenden Textkontrast, immerhin ein Anstieg gegenüber 23 Prozent (HTTP Archive Web Almanac) zwei Jahre zuvor. Die Messlatte ist klar definiert: 4,5:1 (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.3) für normalen Text und 3:1 (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.3) für großen Text ab 18 Punkt beziehungsweise 14 Punkt fett. Das klingt technisch, hat aber einen sehr praktischen Kern: Hellgraue Schrift auf weißem Grund sieht im abgedunkelten Büroraum edel aus und ist auf einem Bahnsteig im Juli schlicht nicht vorhanden. Dasselbe gilt für Text auf Fotos, für helle Beschriftungen auf Farbverläufen und für Platzhaltertext in Formularfeldern, der häufig noch heller gesetzt wird als der eigentliche Inhalt. Wer Kontraste ernst nimmt, gewinnt gleich zweimal: bei allen Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen und bei allen anderen, sobald die Sonne scheint. Welche rechtlichen Anforderungen dahinterstehen, ordnet der Beitrag zur barrierefreien Unternehmenswebsite ein.
Zoom nicht sperren
- Fließtext auf 16 Pixel oder mehr setzen und Größen in relativen Einheiten definieren
- Zeilenhöhe auf etwa das 1,5-Fache der Schriftgröße anheben, das erleichtert das Zeilenspringen
- Textkontrast gegen den tatsächlichen Hintergrund prüfen, auch auf Fotos und Farbverläufen
- Platzhaltertext in Formularen dunkler setzen oder durch eine sichtbare Beschriftung ersetzen
- Blocksatz vermeiden, weil er auf schmalen Bildschirmen große Wortlücken erzeugt
- Absätze kurz halten und Zwischenüberschriften setzen, damit der Text scannbar bleibt
Tippflächen: groß genug und mit Abstand
Eine Maus trifft ein Ziel von wenigen Pixeln, ein Daumen nicht. Die Kontaktfläche einer Fingerkuppe ist deutlich größer als der Punkt, den der Mensch anvisiert, und sie verdeckt beim Tippen genau die Stelle, die getroffen werden soll. Die Norm setzt deshalb eine Untergrenze: Ziele für Zeigereingaben sollen mindestens 24 mal 24 CSS-Pixel (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 2.5.8) groß sein, Stufe AA. Ausnahmen gibt es, wenn um ein kleineres Ziel herum genügend freier Raum liegt, wenn ein gleichwertiges größeres Bedienelement auf derselben Seite vorhanden ist oder wenn der Link im Fließtext eines Satzes steht. Komfortabel wird es erst deutlich darüber: Die erweiterte Anforderung nennt 44 mal 44 CSS-Pixel (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 2.5.5) auf Stufe AAA, und die Entwicklerdokumentation von Google empfiehlt rund 48 Pixel (web.dev) Kantenlänge mit etwa 8 Pixel (web.dev) Abstand zwischen benachbarten Zielen. Die 24 Pixel sind also die Grenze des Zumutbaren, nicht das Ziel. Wichtig ist außerdem, dass Bedienelemente überhaupt als solche erkennbar bleiben: Ihre visuelle Abgrenzung braucht einen Kontrast von 3:1 (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.11) gegen die Nachbarfläche, sonst wird eine Schaltfläche zur unsichtbaren Fläche.
Größe
Schaltflächen und Menüpunkte auf mindestens 44 Pixel Höhe bringen. Das entspricht ungefähr der Fläche, die ein Daumen zuverlässig trifft, ohne dass der Blick das Ziel korrigieren muss.
Abstand
Acht Pixel Luft zwischen benachbarten Zielen verhindern Fehlgriffe. Besonders betroffen sind Listen mit Symbolen, Kopfzeilen mit mehreren Symbolen und Fußzeilen mit dicht gesetzten Links.
Rückmeldung
Jeder Treffer braucht eine sichtbare Reaktion: gedrückter Zustand, Farbwechsel, Ladeanzeige. Ohne Rückmeldung tippen Menschen mehrfach und lösen dieselbe Aktion doppelt aus.
- Symbolleisten mit mehreren kleinen Symbolen direkt nebeneinander, ohne trennenden Abstand
- Zwei Links in derselben Textzeile, etwa Datenschutz und Impressum durch einen Schrägstrich getrennt
- Telefonnummern und Adressen als reiner Fließtext statt als eigenständige Schaltfläche
- Zustimmungshaken in Formularen, deren anklickbarer Bereich nur das Kästchen selbst umfasst
- Auswahlfelder, bei denen nur der kleine Pfeil rechts reagiert und nicht das gesamte Feld
- Bildergalerien, deren Weiterschalten über winzige Punkte am unteren Rand läuft
Die Daumenzone: wo wichtige Aktionen hingehören
Halten Sie ein Telefon einhändig, beschreibt der Daumen einen Bogen. Bequem erreichbar ist die untere Hälfte des Bildschirms auf der Seite der haltenden Hand; die obere Ecke der Gegenseite ist der am schwersten erreichbare Punkt und verlangt einen Griffwechsel oder die zweite Hand. Geräte sind in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden, wodurch sich dieser Effekt verstärkt hat. Für die Gestaltung folgt daraus eine einfache Regel: Was oft gebraucht wird, gehört nach unten, was selten gebraucht wird oder Folgen hat, nach oben. Die Hauptaktion einer Seite, also Anrufen, Anfragen, Termin vereinbaren, sollte nach dem ersten Bildlauf im unteren Bereich verfügbar sein und nicht ausschließlich als kleiner Link in der Kopfzeile existieren. Umgekehrt haben Löschen, Abmelden oder das Zurücksetzen eines Formulars in der Daumenzone nichts verloren. Eine praktische Zwischenlösung ist die Wiederholung: Die Hauptaktion erscheint einmal im sichtbaren Bereich am Seitenanfang und einmal am Ende des Inhalts, damit niemand nach dem Lesen wieder nach oben scrollen muss. Wie sich diese Aktionen inhaltlich verkaufsstark formulieren lassen, zeigt der Beitrag über lokale Sichtbarkeit für Handwerk und Gastronomie.
Was in die untere Bildschirmhälfte gehört
- Hauptaktion definieren: Es gibt genau eine wichtigste Handlung pro Seite, nicht drei gleichrangige
- Diese Aktion im sichtbaren Bereich und am Inhaltsende platzieren, jeweils als große Schaltfläche
- Sekundäre Wege daneben oder darunter anordnen, optisch klar untergeordnet
- Aktionen mit Folgen nach oben verschieben, damit sie nicht versehentlich getroffen werden
- Nach dem Einbau einhändig gegenprüfen: linke und rechte Hand fühlen sich unterschiedlich an
Anrufen, Route, Öffnungszeiten: die drei mobilen Klassiker
Mobile Besuche sind häufig Sofortfragen, und dafür gibt es drei wiederkehrende Antworten. Erstens die Telefonnummer: Sie gehört als Verweis mit dem tel-Schema hinterlegt, damit ein Antippen direkt den Wählvorgang startet, statt die Nummer zum Abschreiben anzubieten. Zweitens die Adresse: Ein Verweis, der die Kartenanwendung des Gerätes mit den passenden Koordinaten öffnet, spart das Abtippen der Straße in einer fremden Anwendung. Das geo-Schema ist dafür standardisiert; ergänzend gehört die Adresse als lesbarer Text daneben, damit sie sich kopieren lässt. Drittens die Öffnungszeiten: Sie sind der meistgesuchte Einzelinhalt vieler Betriebsseiten und stehen erstaunlich oft als Grafik auf der Seite, gelegentlich sogar in einem Aushang-Foto. Als Bild sind sie nicht durchsuchbar, nicht vorlesbar, nicht kopierbar und beim Zoomen unscharf. Als Text kosten sie sechs Zeilen und funktionieren überall. Wer zusätzlich abweichende Zeiten an Feiertagen pflegt, beantwortet damit den häufigsten Anruf des Tages, bevor er entsteht. Wie Sie Anfragen anschließend sauber annehmen, beschreibt der Beitrag über Kontaktformulare und ihre Auswertung.
<!-- Telefonnummer: antippen startet den Wählvorgang -->
<a class="button" href="tel:+4951239579000">
Jetzt anrufen: 05123 9579000
</a>
<!-- Adresse: öffnet die Kartenanwendung des Gerätes -->
<a class="button" href="geo:52.1873,10.0651?q=Musterweg+1,+31185+Musterstadt">
Route starten
</a>
<address>Musterweg 1, 31185 Musterstadt</address>
<!-- Öffnungszeiten als Text, nicht als Bild -->
<dl class="hours">
<dt>Montag bis Freitag</dt><dd>8:00 bis 18:00 Uhr</dd>
<dt>Samstag</dt><dd>9:00 bis 13:00 Uhr</dd>
</dl>Telefonnummer
Als Schaltfläche mit tel-Verweis, mindestens 44 Pixel hoch, sichtbar ohne Scrollen. Die Nummer zusätzlich als lesbarer Text, damit sie sich notieren oder vorlesen lässt.
Adresse
Als Verweis, der die Kartenanwendung des Gerätes öffnet, ergänzt um die Anschrift im Klartext. Zusatzangaben wie Parkplatz oder Hofeinfahrt sparen Rückfragen am Telefon.
Öffnungszeiten
Als strukturierter Text mit Wochentagen und Uhrzeiten, ohne Zoomen lesbar. Abweichungen an Feiertagen und Betriebsferien direkt darunter, mit Datum statt vager Umschreibung.
Der Test dauert zehn Sekunden
Preislisten und Tabellen: umbrechen statt seitwärts scrollen
Tabellen sind für breite Bildschirme erfunden worden. Auf dem Telefon führen sie zu einem Verhalten, das die Norm ausdrücklich vermeiden will: Scrollen in zwei Richtungen. Inhalte sollen sich bei einer Breite von 320 CSS-Pixeln (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.10) ohne Informationsverlust darstellen lassen, ohne dass zusätzlich horizontal gescrollt werden muss. Für Preislisten heißt das: Die Tabelle wird auf schmalen Bildschirmen zu gestapelten Blöcken. Aus einer Zeile mit fünf Spalten werden fünf Zeilen mit Beschriftung und Wert, jede Leistung bekommt einen eigenen Block mit Überschrift, Preis und Zusatz. Das wirkt auf dem Papier ausschweifend, liest sich auf dem Telefon aber deutlich besser als eine Tabelle, die auf 40 Prozent verkleinert wurde oder deren rechte Spalten unsichtbar am Rand warten. Bleibt eine echte Vergleichstabelle unverzichtbar, gehört sie in einen eigenen scrollbaren Bereich mit sichtbarem Hinweis auf die Verschiebbarkeit, während die Seite selbst ruhig bleibt. Wichtig ist außerdem, dass Preise nicht als Bild ausgeliefert werden: Was als Grafik vorliegt, lässt sich weder vergrößern noch vorlesen noch aktualisieren, ohne die Datei neu zu erzeugen. Wie Bilder sonst richtig eingesetzt werden, behandelt der Beitrag zu Bildformaten und Alternativtexten.
| Inhalt | Am großen Bildschirm | Auf dem Telefon |
|---|---|---|
| Preisliste mit Varianten | Tabelle mit vier bis sechs Spalten | Gestapelte Blöcke je Leistung mit Bezeichnung, Preis und Hinweis |
| Leistungsvergleich | Nebeneinander in Spalten | Untereinander als Karten, wichtigste Variante zuerst |
| Technische Daten | Lange Tabelle mit Kopfzeile | Aufklappbare Abschnitte je Gruppe, Beschriftung über dem Wert |
| Terminkalender | Monatsansicht mit Rasteransicht | Listenansicht nach Datum, mit Tag und Uhrzeit in einer Zeile |
| Formular mit Positionen | Mehrspaltiges Raster | Eine Spalte, Beschriftung über dem Feld, Schaltfläche am Ende |
- Jede Tabelle bei 320 Pixel Breite prüfen, nicht nur im schmal gezogenen Fenster am Rechner
- Spalten mit geringem Informationswert auf dem Telefon ausblenden statt verkleinern
- Beschriftung und Wert zusammenhalten, damit die Zuordnung ohne Kopfzeile erhalten bleibt
- Bei unvermeidbaren Tabellen einen eigenen scrollbaren Bereich mit sichtbarem Hinweis nutzen
- Preise, Fristen und Mengen als Text auszeichnen, nicht als Grafik einbetten
- Nach dem Umbau die Reihenfolge prüfen: Was zuerst gelesen wird, sollte auch zuerst stehen
PDF ist kein Ersatz für eine Seite
Der Griff zum PDF ist verständlich: Das Dokument liegt bereits vor, es ist gestaltet, es ändert sich selten. Auf dem Telefon ist es dennoch die schlechteste aller Lösungen. Ein PDF hat eine feste Seitenbreite, meist DIN A4, und wird auf einem sechs Zentimeter breiten Display auf ungefähr ein Fünftel verkleinert. Zum Lesen muss gezoomt und anschließend in beide Richtungen geschoben werden, also genau das, was das Kriterium zur Umbruchfähigkeit vermeiden soll (W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.10). Hinzu kommt: Telefonnummern sind darin selten anwählbar, Verweise führen oft ins Leere, die Datei öffnet je nach Gerät in einer eigenen Anwendung und reißt die Besucher aus dem Seitenfluss. Auch die Pflege leidet, weil eine Preisänderung ein neues Dokument erfordert, während die alte Fassung im Zwischenspeicher weiterlebt. Sinnvoll bleibt ein PDF als Beigabe für den Ausdruck oder als formales Dokument, etwa ein Datenblatt oder eine Anfahrtsskizze. Der Inhalt selbst gehört als Seite ins Web, mit derselben Information in umbruchfähigem Text. Wer beides anbietet, sollte die Seite verlinken und das Dokument als Zusatz kennzeichnen, samt Angabe von Format und Dateigröße.
Ein PDF ist ein Dokument für Papier. Eine Seite ist ein Dokument für Bildschirme jeder Größe. Wer das eine durch das andere ersetzt, verlagert Arbeit von der Redaktion zum Besucher.
- Speisekarten und Preislisten als Seite mit Textabschnitten statt als abfotografierter Aushang
- Anfahrtsbeschreibungen als Text mit Kartenverweis statt als eingescannte Skizze
- Stellenanzeigen als eigene Seite, damit sie einzeln geteilt und gefunden werden können
- Datenblätter als Seite mit ergänzendem Dokument für den Ausdruck, klar gekennzeichnet
- Formulare zum Ausfüllen als Webformular, das Dokument nur für Fälle mit Unterschriftspflicht
Sticky-Leisten und Einblendungen sparsam einsetzen
Auf einem Telefon ist die sichtbare Fläche das knappste Gut der ganzen Website. Ein fixierter Kopfbereich von 120 Pixeln Höhe belegt auf einem gängigen Gerät bereits rund ein Fünftel des Sichtfensters, und wenn unten noch eine Aktionsleiste klebt, bleibt für den eigentlichen Inhalt weniger als zwei Drittel. Deshalb gilt: höchstens eine fixierte Leiste, schlank gehalten, und beim Herunterscrollen gerne eingeklappt. Noch heikler sind Einblendungen. Ein Dialog, der den halben Bildschirm verdeckt, bevor jemand den ersten Satz gelesen hat, ist auf dem Telefon ein deutlich größerer Eingriff als am Rechner, weil der Schließen-Knopf häufig winzig ist und in der oberen Ecke sitzt, also im am schlechtesten erreichbaren Bereich. Der Einwilligungsdialog für Cookies ist rechtlich erforderlich und deshalb eine eigene Kategorie, sollte aber kompakt bleiben, mit gleichwertigen Schaltflächen und ohne Sperre des Bildlaufs. Alles andere, also Rabattbanner, Newsletter-Aufforderung und Chat-Blase, sollte man gegen die Frage abwägen, ob es mehr Anfragen bringt als es verdeckt. Wie eine saubere Einwilligung ohne Ballast aussieht, beschreibt der Beitrag zu DSGVO und Cookie-Consent; wie sich schwere Einbindungen auf die Auslieferung auswirken, zeigt der Beitrag zu PageSpeed und statischer Auslieferung.
Der Schließen-Knopf ist Teil der Bedienbarkeit
- Höchstens eine fixierte Leiste gleichzeitig, entweder oben oder unten, nicht beides
- Fixierte Bereiche unter 15 Prozent der Bildschirmhöhe halten und beim Scrollen verkleinern
- Einblendungen erst nach einer erkennbaren Nutzungsabsicht zeigen, nicht beim ersten Bildaufbau
- Schließen-Knopf groß, kontrastreich und in Daumennähe platzieren
- Den Bildlauf hinter einem Dialog anhalten, damit die Seite nicht unbemerkt weiterspringt
- Chat-Blasen und Rückruf-Fenster so setzen, dass sie keine Schaltfläche verdecken
Formulare: nur das Nötigste, groß und in einer Spalte
Formulare verdienen einen eigenen Beitrag, deshalb hier nur das mobil Entscheidende. Erstens die Länge: Jedes zusätzliche Feld kostet Abschlüsse, und was später im Gespräch ohnehin geklärt wird, muss nicht im Formular stehen. Zweitens die Anordnung: eine Spalte, Beschriftung über dem Feld, ausreichend Zeilenabstand. Zweispaltige Formulare brechen auf schmalen Bildschirmen unvorhersehbar um. Drittens die Tastatur: Ein Feld für Telefonnummern sollte den Zifferblock öffnen, ein E-Mail-Feld die Tastatur mit At-Zeichen, und automatische Vervollständigung für Name, Anschrift und Telefonnummer spart auf dem Telefon spürbar Zeit. Viertens die Schriftgröße im Eingabefeld: Unter 16 Pixel zoomen mobile Browser beim Fokus automatisch hinein, wodurch das Layout springt. Fünftens die Fehlermeldung: Sie gehört direkt an das betroffene Feld, in Textform, nicht ausschließlich als Farbwechsel. Alles Weitere, von der Bestätigungsseite bis zur Auswertung eingehender Anfragen, behandelt der Beitrag über Kontaktformulare und Anfragen.
Der Praxistest: eine Hand, Sonne, große Schrift, Handschuhe
Die wirksamste Prüfung braucht kein Werkzeug, sondern das eigene Telefon und zwanzig Minuten. Der Grund: Ein Vorschaufenster am Rechner simuliert die Bildschirmbreite, aber weder die Hand noch das Licht noch die Systemeinstellungen der Besucher. Vier Bedingungen decken erfahrungsgemäß den größten Teil der Probleme auf. Erstens die Bedienung mit einer Hand, weil sie die Reichweite des Daumens ehrlich abbildet und sofort zeigt, welche Schaltflächen zu weit oben sitzen. Zweitens der Gang nach draußen ins Sonnenlicht, weil dort jeder zu schwache Kontrast auffliegt, den ein Bürobildschirm noch schönredet. Drittens die vergrößerte Systemschrift, etwa auf 130 Prozent gestellt, weil viele Menschen ihr Gerät dauerhaft so betreiben und Layouts dabei überraschend häufig zerbrechen. Viertens Handschuhe, oder ersatzweise die Bedienung im Gehen, weil beides die Zielgenauigkeit senkt und zu kleine Ziele unmittelbar unbrauchbar macht. Notieren Sie währenddessen jede Stelle, an der Sie zoomen, zweimal tippen oder das Gerät umgreifen. Diese Liste ist Ihre Aufgabenliste, sortiert nach Häufigkeit.
- Startseite einhändig öffnen und ohne Zoomen prüfen, ob Leistung, Telefonnummer und Öffnungszeiten lesbar sind
- Mit dem Daumen alle Schaltflächen im sichtbaren Bereich erreichen, ohne die Hand umzugreifen
- Nach draußen gehen und dieselbe Seite bei direktem Sonnenlicht noch einmal lesen
- Systemschriftgröße auf etwa 130 Prozent stellen und prüfen, ob Text abgeschnitten wird oder Blöcke überlappen
- Seite auf 200 Prozent zoomen und prüfen, ob alle Inhalte und Bedienelemente erhalten bleiben
- Mit Handschuhen oder im Gehen die drei wichtigsten Aktionen auslösen und Fehlgriffe zählen
- Eine Preisliste und eine Detailseite öffnen und prüfen, ob seitliches Scrollen nötig wird
- Das Kontaktformular vollständig ausfüllen und absenden, mit der Tastatur des Telefons
Zwei Geräte genügen für den Anfang
So löst XICflow das
In XICflow sind die Blöcke für kleine Bildschirme vorgebaut, nicht nachträglich angepasst. Schriftgrößen, Zeilenhöhen und Abstände stammen aus einem gemeinsamen Design-System, Schaltflächen kommen mit ausreichender Höhe und Abstand aus der Vorlage, und Farbkombinationen sind auf die Kontrastanforderungen der WCAG 2.2 in Stufe AA ausgelegt. Tabellen und Preisblöcke stapeln sich auf schmalen Bildschirmen automatisch, statt seitlich zu verschwinden. Telefonnummern und Adressen werden als anwählbare Elemente ausgegeben, Öffnungszeiten als strukturierter Text. Im Editor lässt sich die mobile Ansicht direkt umschalten, sodass die schmale Fassung während des Schreibens sichtbar bleibt und nicht erst nach der Veröffentlichung auffällt. Der Einwilligungsdialog ist Bestandteil der Auslieferung und kein später eingesetztes Fremdelement, das eigene Bedienprobleme mitbringt. Was davon in welchem Umfang enthalten ist, zeigt die Leistungsübersicht, den Ablauf von der Eingabe bis zur ausgelieferten Seite beschreibt der Weg im Detail. Wie das Ergebnis auf dem eigenen Telefon aussieht, lässt sich an den Demo-Websites direkt ausprobieren.
- Blöcke mit vorgegebenen Umbruchpunkten, statt Layouts für kleine Bildschirme nachzubauen
- Schaltflächen mit ausreichender Höhe und Abstand aus dem Design-System heraus
- Farbpaare mit geprüftem Kontrast, auch für Text auf Bildern und farbigen Flächen
- Mobile Ansicht im Editor umschaltbar, Vorschau entspricht der veröffentlichten Seite
- Kontaktangaben als anwählbare Elemente statt als reiner Text oder Grafik
- Barrierefreiheit nach WCAG 2.2 AA und Einwilligungsdialog ab Werk in jeder Site
Was Sie in dieser Woche ändern können
Mobile Bedienbarkeit ist selten ein Projekt und meistens eine Reihe kleiner Korrekturen, die zusammen viel bewegen. Beginnen Sie mit dem, was jede Seite betrifft: Grundschriftgröße, Kontrast und die Größe der Schaltflächen. Danach folgen die drei Sofortantworten, also Telefon, Adresse und Öffnungszeiten, weil sie den größten Anteil mobiler Aufrufe ausmachen. Erst dann lohnt der Blick auf Tabellen, Dokumente und Einblendungen. Wichtig ist die Reihenfolge, weil ein neues Layout wenig hilft, solange der Text zu klein bleibt. Wer gerade ohnehin über einen Neubau nachdenkt, sollte die mobile Fassung zur Grundlage der Abnahme machen und nicht zur Nacharbeit: Preise und Leistungsumfang zeigt die Preisübersicht, die Einordnung gegenüber anderen Wegen findet sich in der Gegenüberstellung der Ansätze. Für eine Einschätzung Ihrer bestehenden Seite genügt ein kurzes Gespräch über die Kontaktseite.
- Grundschriftgröße auf 16 Pixel anheben und Zoom-Sperren aus dem Viewport-Tag entfernen
- Kontraste der Textfarben prüfen und alle Werte unter 4,5:1 nachschärfen
- Telefonnummer, Adresse und Öffnungszeiten als antippbare Elemente nach oben holen
- Alle Schaltflächen auf mindestens 44 Pixel Höhe bringen und Abstände ergänzen
- Preistabellen in gestapelte Blöcke umbauen und PDF-Inhalte als Seite nachziehen
- Praxistest mit einer Hand, im Sonnenlicht und mit vergrößerter Systemschrift durchführen
Am Ende entscheidet nicht, wie eine Seite im Abnahmetermin am Konferenzbildschirm wirkt, sondern wie sie sich anfühlt, wenn jemand mit einer Hand im Bus sitzt und wissen will, ob Sie noch geöffnet haben. Diese Perspektive lässt sich nicht simulieren, sie lässt sich nur ausprobieren. Der Aufwand dafür ist gering, die Wirkung dagegen unmittelbar: Jede gefundene Stelle, an der jemand zoomen, zweimal tippen oder umgreifen muss, ist eine Stelle weniger, an der eine Anfrage verloren geht.