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Barrierefreiheit

Barrierefreie Texte: verständlich schreiben fürs Web

Barrierefreiheit scheitert selten am Code, meist am Text. Überschriften, Linktexte, Jargon: Redaktions-Checkliste und Vorlesetest für verständliche Webtexte.

14 Min. Lesezeit BarrierefreiheitVerständlichkeitRedaktionWCAG

Wenn eine Website als nicht barrierefrei auffällt, denken die meisten zuerst an Technik: Kontrastwerte, Fokusanzeigen, ARIA-Attribute. In der Praxis steckt der größere Teil der Barrieren jedoch im Text und in der Art, wie er in die Seite eingebaut wurde. Eine Überschrift, die lediglich größer und fetter gesetzt ist, bleibt für ein Vorleseprogramm einfacher Fließtext. Ein Link mit der Beschriftung „mehr erfahren“ führt in einer Linkliste ins Leere. Öffnungszeiten, die als Bild hochgeladen wurden, existieren für unterstützende Technik überhaupt nicht. Und ein Formularfeld mit der Bezeichnung „Betreff 2“ ist auch für Menschen ohne Einschränkung ein Rätsel. Dieser Beitrag ist der redaktionelle Gegenpart zum technischen Blick auf das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Er zeigt, welche Textentscheidungen über Zugänglichkeit entscheiden, wie eine Redaktions-Checkliste dafür aussieht und wie Sie mit einem Vorlesetest in einer halben Stunde hören, was von Ihrer Seite tatsächlich ankommt.

Textprüfung vor dem Start: Struktur, Links, VorlesetestWas ein Vorleseprogramm aus einer Seite macht · WCAG 2.2 AAÜberschriften-GerüstH1Seitentitel der LeistungsseiteH2Überschriften sind StrukturH3Ebenen nicht überspringenH2Sprechende LinktexteH4H3 fehlt: Ebene übersprungenH2Redaktions-Checkliste41,8 % der Startseiten überspringen Ebenen18,1 % setzen mehr als eine H17,5 % haben gar keine Überschrift (WebAIM)Linkliste im Vorlesemodusunklar„Link, hier klicken“Ziel erst im Umfeld erkennbareindeutig„Link, Preisliste öffnen“Ziel steht im Linktext selbst15,2 % nutzen mehrdeutige Linktexte5,3 Fälle je betroffener Seite46,3 % enthalten leere Links (WebAIM)Befunde je Startseite95,9 %der Startseiten mit WCAG-Verstößen(WebAIM Million)Alternativtexte fehlen53,1 %Feldbeschriftungen fehlen51,0 %Sprache nicht ausgezeichnet13,5 %Vorlesetest in vier Schritten1Vorlesen startenScreenreader oder System2Nur zuhörenBildschirm ausblenden3Links durchgehenLinkliste ohne Umfeld4Befunde notierenTextstellen überarbeitenÜberschriftenebenen · Sprechende Linktexte · Kurze Sätze · Abkürzungen erklärt · Untertitel · Transkript

Warum Barrierefreiheit meist am Text scheitert

Die jährliche Auswertung der eine Million meistbesuchten Startseiten liefert eine unbequeme Zahl: 95,9 Prozent der untersuchten Seiten weisen maschinell erkennbare Verstöße gegen die Web Content Accessibility Guidelines auf, im Durchschnitt 56,1 Fehler je Startseite (WebAIM Million). Interessant ist die Verteilung. Der größte Teil dieser Befunde entfällt nicht auf exotische Technik, sondern auf Entscheidungen, die in der Redaktion fallen: fehlende Alternativtexte auf 53,1 Prozent der Seiten, fehlende Feldbeschriftungen auf 51 Prozent, leere Links auf 46,3 Prozent und eine fehlende Sprachauszeichnung des Dokuments auf 13,5 Prozent (WebAIM Million). Jeder dieser Punkte entsteht in dem Moment, in dem jemand einen Text eintippt, ein Bild hochlädt oder ein Feld benennt – und lässt sich genau dort auch am günstigsten beheben. Wer die rechtliche Einordnung dazu sucht, findet sie im Beitrag zur Umsetzung des BFSG für Unternehmen.

Verständlich schreiben ist keine zweite Textsorte

Barrierefreie Texte sind kein Sonderformat neben den „richtigen“ Texten. Gemeint ist klare Standardsprache: kurze Sätze, aktive Verben, erklärte Fachbegriffe, sprechende Überschriften. Davon zu unterscheiden ist Leichte Sprache als eigenes Register mit festen Regeln, für das mit DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ ein frei verfügbares Regelwerk vorliegt (Bundesfachstelle Barrierefreiheit). Öffentliche Stellen sind über die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung verpflichtet, zusätzlich Erläuterungen in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache bereitzustellen (BITV 2.0). Für ein Unternehmen ist beides sinnvoll kombinierbar, aber nicht dasselbe.

Der zweite Grund liegt in der Prüfpraxis. Eine unabhängige Untersuchung ließ 65 Online-Angebote von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen entlang typischer Nutzungswege testen; barrierefrei nutzbar war nur etwa ein Drittel, und lediglich 20 von 65 Angeboten ließen sich allein mit der Tastatur bedienen (Aktion Mensch). Auffällig war dabei, wie oft die Hürden im Sprachlichen lagen: unklare Beschriftungen von Formularfeldern, wenig aussagekräftige Alternativtexte, Bedienelemente ohne verständlichen Namen (Aktion Mensch). Das deckt sich mit der Erfahrung aus Website-Projekten: Technische Mängel sind meist an einer Stelle im Design-System zu beheben, während Textmängel auf jeder einzelnen Unterseite neu entstehen (Projekterfahrung). Wer parallel an der Verständlichkeit insgesamt arbeitet, findet die Grundlagen im Beitrag über Website-Texte, die verstanden statt überflogen werden.

Überschriften sind Struktur, nicht Optik

Überschriften erfüllen zwei Aufgaben gleichzeitig. Sichtbar gliedern sie die Seite, unsichtbar bilden sie das Inhaltsverzeichnis, über das unterstützende Technik navigiert. Wer mit einem Vorleseprogramm arbeitet, springt in der Regel nicht Absatz für Absatz durch eine Seite, sondern lässt sich die Überschriften als Liste ausgeben und wählt daraus. Fehlt diese Liste oder ist sie unlogisch aufgebaut, bleibt nur das lineare Durchhören von oben nach unten. Die Zahlen zeigen, wie verbreitet das Problem ist: Auf 41,8 Prozent der untersuchten Startseiten werden Überschriftenebenen übersprungen, 18,1 Prozent setzen mehr als eine H1, und 7,5 Prozent kommen ganz ohne Überschrift aus (WebAIM Million). Im Schnitt enthält eine Startseite 29,9 Überschriften, von denen nur 5,1 Prozent eine H1 sind (WebAIM Million). Die zugehörigen Erfolgskriterien sind unspektakulär formuliert: Struktur muss programmatisch ermittelbar sein (WCAG 1.3.1, Stufe A), und Überschriften müssen Thema oder Zweck beschreiben (WCAG 2.4.6, Stufe AA).

  • Eine H1 pro Seite, und sie benennt den Seiteninhalt – nicht den Firmennamen und nicht den Slogan.
  • Ebenen lückenlos absteigen: auf H2 folgt H3, nicht H4. Sprünge nach unten sind erlaubt, Sprünge nach oben nicht.
  • Schriftgröße und Ebene trennen: Wenn eine H3 zu groß wirkt, ist das eine Aufgabe für das Design, nicht für die Ebenenwahl.
  • Überschriften aus sich heraus verständlich formulieren; „Unser Ansatz“ sagt in einer Überschriftenliste weniger als „So läuft ein Auftrag ab“.
  • Keine Fließtextabsätze als Überschrift auszeichnen, nur weil sie hervorgehoben wirken sollen – dafür gibt es Auszeichnungen für starke Betonung.
  • Zwischenüberschriften auch dann setzen, wenn ein Abschnitt kurz ist: Sie sind der Ankerpunkt für das Überspringen.

Praktisch heißt das: Die Überschriftenstruktur einer Seite sollte sich vorlesen lassen wie eine Gliederung. Ein guter Test ist, alle Überschriften untereinander in eine leere Datei zu kopieren. Ergibt die Liste ohne den umgebenden Text eine nachvollziehbare Zusammenfassung der Seite? Falls nicht, liegt es fast durchgehend an zwei Mustern: entweder an rein werblichen Formulierungen ohne Inhalt oder an Überschriften, die auf den vorherigen Absatz verweisen statt auf den folgenden. Wie eine tragfähige Seitengliederung von Anfang an entsteht, beschreibt der Beitrag darüber, welche Seiten eine Unternehmenswebsite wirklich braucht; den Weg von der Gliederung zur fertigen Seite zeigt die Übersicht So funktioniert XICflow.

Im EntwurfWas daraus im Vorlesemodus wirdBessere Lösung
Absatz in 24 Pixel Fettschrift als Abschnittstitelkeine Überschrift, kein Sprungpunkt, kein Eintrag in der Gliederungals H2 auszeichnen und die Größe im Design regeln
Zweite H1 für den Aktionshinweis in der Seitenleistezwei gleichrangige Seitentitel, unklare Zuordnungeine H1 für den Seiteninhalt, die Seitenleiste beginnt bei H2
Sprung von H2 direkt auf H4 für die Optikeine Ebene fehlt, die Gliederung wirkt lückenhaftH3 verwenden und die gewünschte Größe per Klasse setzen
Überschrift „Mehr Informationen“in der Überschriftenliste austauschbar und ohne Aussage„Ablauf einer Dachsanierung“ oder „Kosten im Überblick“
Firmenname als H1 auf jeder Unterseitejede Seite klingt gleich, der Einstieg trägt keine InformationSeitenthema als H1, Firmenname bleibt im Kopfbereich
Bildunterschrift als H3 formatiertStruktur bricht mitten im Abschnitt aufals Bildunterschrift auszeichnen, Ebene unangetastet lassen

Linktexte, die für sich stehen

Der zweite Navigationsweg neben der Überschriftenliste ist die Linkliste. Auch sie wird ohne Umgebungstext ausgegeben, weshalb ein Linktext aus sich heraus verständlich sein sollte. Das entsprechende Erfolgskriterium erlaubt zwar, den Zweck aus dem Linktext zusammen mit dem programmatisch ermittelbaren Kontext abzuleiten (WCAG 2.4.4, Stufe A); die strengere Fassung verlangt Verständlichkeit aus dem Linktext allein (WCAG 2.4.9, Stufe AAA). In der Praxis lohnt sich die strengere Variante, weil sie zugleich der Suchmaschine hilft. Die Verbreitung des Problems ist überschaubar, aber hartnäckig: 15,2 Prozent der untersuchten Startseiten enthalten mehrdeutige Linktexte wie „hier klicken“, „mehr“ oder „weiter“, im Schnitt 5,3 Fälle je betroffener Seite (WebAIM Million). Schwerer wiegen die leeren Links, die auf 46,3 Prozent der Seiten vorkommen – etwa verlinkte Symbole ohne Beschriftung, die als „Link“ ohne weiteren Inhalt angesagt werden (WebAIM Million).

Schwacher LinktextWarum er scheitertTragfähige Formulierung
hier klickenbeschreibt die Handlung, nicht das ZielPreisliste als Seite öffnen
mehr erfahrenin einer Linkliste mehrfach identischMehr zur Dachsanierung lesen
weiterohne Umgebungstext bedeutungslosWeiter zum Kontaktformular
www.beispiel.de/leistungen/dachwird zeichenweise vorgelesenLeistungen rund ums Dach
Symbol ohne Beschriftungwird als leerer Link angesagtSymbol mit zugänglichem Namen versehen
DownloadFormat und Umfang bleiben offenWartungsplan als PDF, 2 Seiten

Ein Ziel, ein Linktext

Zwei Links mit gleichem Text sollten auf dasselbe Ziel führen, und zwei Links auf dasselbe Ziel sollten gleich heißen. Klingt banal, verhindert aber die häufigste Verwirrung in Linklisten. Vermeiden Sie außerdem, den Linktext mitten in einen Satz zu legen, sodass nur ein einzelnes Wort verlinkt ist. Verlinken Sie stattdessen die vollständige Bezeichnung des Ziels. Wie sich beschreibende Formulierungen zugleich in Suchergebnissen auszahlen, zeigt der Beitrag über Titel und Beschreibung, die geklickt werden.

Kurze Sätze, aktive Verben, klare Wörter

Die WCAG enthalten kein Kriterium der Stufe AA, das eine bestimmte Satzlänge vorschreibt. Verständlichkeit ist trotzdem ein Prinzip der Richtlinien, und das Kriterium zum Leseniveau liegt auf Stufe AAA (WCAG 3.1.5). Für Unternehmen bedeutet das: Verständliches Schreiben ist selten eine Pflicht mit Prüfziffer, aber der Hebel mit der größten Wirkung. Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, Menschen in Eile am Mobilgerät und Menschen mit einer vorübergehenden Konzentrationsschwäche profitieren von denselben Maßnahmen. Das ist auch der Grund, warum diese Arbeit sich betriebswirtschaftlich lohnt: Sie erreicht deutlich mehr Menschen als die Gruppe, an die man beim Wort Barrierefreiheit zuerst denkt. In Deutschland leben rund 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen (Statistisches Bundesamt), in der Europäischen Union geht die Kommission von etwa 87 Millionen Menschen mit einer Behinderung aus (Europäische Kommission) – die Zahl derer, die von klarer Sprache profitieren, liegt um ein Vielfaches höher.

Ein Gedanke pro Satz

Sätze mit 15 bis 20 Wörtern lassen sich im Vorlesetempo verfolgen. Schachtelsätze mit drei Nebensätzen verlieren beim Hören die Struktur.

Aktiv statt Passiv

„Wir prüfen Ihre Anlage“ statt „Ihre Anlage wird geprüft“. Das Verb nennt die Handlung, und der Satz nennt die handelnde Person.

Aufzählungen statt Kommaketten

Fünf Leistungen in einer Liste sind hörbar strukturiert. Dieselben fünf Leistungen in einem Satz verschwimmen zu einer Aufzählung ohne Halt.

Konkrete Wörter

„Wir reinigen die Regenrinne“ ist prüfbar. „Wir kümmern uns um Ihre Gebäudehülle“ lässt offen, was genau geschieht.

Wichtiges zuerst

Der Kern des Absatzes gehört in den ersten Satz. Wer nach zwei Sätzen weiterspringt, hat die Aussage dann bereits gehört.

Zahlen als Ziffern

Ziffern werden von Vorleseprogrammen sauber ausgegeben und sind schneller erfassbar als ausgeschriebene Zahlwörter im Fließtext.

Der Absatz ist die kleinste Prüfeinheit

Sinnvoll geprüft wird nicht auf Wortebene, sondern auf Absatzebene. Ein Absatz sollte eine Aussage tragen, mit dieser Aussage beginnen und ohne Rückgriff auf den vorherigen Absatz verständlich sein. Wer so schreibt, erzeugt nebenbei die Textbausteine, die Suchmaschinen und Antwortsysteme zitieren können – und erspart sich das nachträgliche Auseinandernehmen langer Textblöcke.

Fachjargon, Abkürzungen und fremdsprachige Begriffe

Fachsprache ist kein Fehler, solange sie erklärt wird. Problematisch wird sie, wenn sie ungefragt vorausgesetzt wird. Drei Fälle treten besonders häufig auf. Erstens Abkürzungen, die beim ersten Auftreten weder ausgeschrieben noch erläutert werden; das zugehörige Kriterium liegt auf Stufe AAA (WCAG 3.1.4), die Verständlichkeit leidet trotzdem sofort. Zweitens Fachbegriffe, die in der Branche selbstverständlich sind, beim Kunden aber nicht ankommen. Drittens fremdsprachige Begriffe im deutschen Fließtext: Sie werden von Vorleseprogrammen in deutscher Aussprache ausgegeben und dadurch häufig unverständlich, sofern sie nicht ausgezeichnet sind. Genau dafür gibt es das Kriterium zur Sprache von Teilen (WCAG 3.1.2, Stufe AA) – und für das Dokument insgesamt die Sprachangabe der Seite (WCAG 3.1.1, Stufe A), die auf 13,5 Prozent der untersuchten Startseiten fehlt (WebAIM Million).

  • Abkürzung beim ersten Auftreten ausschreiben: „Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)“ statt nur „BFSG“.
  • Branchenbegriffe in einem Halbsatz erklären, statt sie in eine Fußnote zu verschieben.
  • Fremdsprachige Begriffe kennzeichnen, damit die Aussprache stimmt – etwa englische Produktbezeichnungen im deutschen Text.
  • Eingedeutschte Begriffe, die im Duden stehen, brauchen keine Auszeichnung; die Regel gilt für erkennbar fremdsprachige Passagen.
  • Gleiche Sache, gleiches Wort: Wechseln Sie nicht zwischen „Angebot“, „Kostenvoranschlag“ und „Offerte“ für denselben Vorgang.
  • Ein kurzes Begriffsverzeichnis auf der Seite ist hilfreicher als ein PDF-Glossar im Download-Bereich.

Ein Text ist dann barrierefrei genug, wenn eine Person ihn beim ersten Hören versteht, ohne zurückspringen zu müssen.

Arbeitsregel aus der redaktionellen Praxis

Wenn Text im Bild oder im PDF verschwindet

Der teuerste Fehler in dieser Reihe ist zugleich der bequemste: Information, die als Bild oder als PDF auf die Seite kommt. Öffnungszeiten als Grafik, die Preisliste als Foto einer Tabelle, das Stellenangebot als eingescanntes Blatt – für unterstützende Technik ist das nichts als eine Fläche. Die Richtlinien sind hier deutlich: Text soll als Text übermittelt werden statt als Abbildung von Text, sofern die Darstellung nicht anpassbar oder wesentlich ist (WCAG 1.4.5, Stufe AA). Hinzu kommt die Menge: Eine durchschnittliche Startseite enthält 66,6 Bilder, von denen 16,2 Prozent ohne Alternativtext auskommen; rechnet man fehlende, fragwürdige und wiederholte Alternativtexte zusammen, sind mehr als 25 Prozent aller Bilder betroffen (WebAIM Million). Wie Alternativtexte praktisch formuliert werden, behandelt der Beitrag über Bildformate und Alternativtexte.

  • Öffnungszeiten, Preise und Kontaktdaten als echten Seiteninhalt anlegen, nicht als Grafik.
  • Tabellen als Tabelle auszeichnen, mit Kopfzeile und aussagekräftiger Beschriftung, statt als Bild zu hinterlegen.
  • PDF-Dokumente durch eine Seitenversion ergänzen; das PDF bleibt als Ausdruck-Variante bestehen.
  • Informationstragende Bilder mit einer Beschreibung versehen, die die Aussage ersetzt, nicht das Motiv aufzählt.
  • Rein dekorative Grafiken leer auszeichnen, damit sie beim Vorlesen übersprungen werden.
  • Diagramme zusätzlich in zwei Sätzen zusammenfassen: Was zeigt die Kurve, und was folgt daraus?
  • Keine Information ausschließlich über Farbe oder Position transportieren, etwa „das rote Feld links“.

Rechtstexte gehören auf die Seite

Impressum, Datenschutzerklärung und Widerrufsbelehrung als PDF anzubieten, ist ein wiederkehrendes Muster mit doppeltem Nachteil: Die Dokumente sind schwerer zugänglich, und sie veralten unbemerkt, weil niemand ein PDF beiläufig korrigiert. Als Seiteninhalt sind sie durchsuchbar, verlinkbar und vorlesbar. Welche Angaben dabei verpflichtend sind, fasst der Beitrag zu Impressum und Datenschutz zusammen.

Videos: Untertitel, Transkript, Audiodeskription

Bewegtbild ist der Bereich, in dem redaktionelle Arbeit am sichtbarsten fehlt. Für aufgezeichnete Videos mit Ton verlangen die Richtlinien Untertitel (WCAG 1.2.2, Stufe A) sowie eine Alternative für zeitbasierte Medien oder eine Audiodeskription der Bildinhalte (WCAG 1.2.3, Stufe A); auf Stufe AA kommt die Audiodeskription für aufgezeichnete Videos verbindlich hinzu. Praktisch heißt das für die meisten Unternehmensvideos: Untertitel sind Pflicht, ein Transkript unterhalb des Videos löst mehrere Anforderungen zugleich und kostet wenig. Automatisch erzeugte Untertitel sind ein Startpunkt, aber kein Ergebnis – Eigennamen, Produktbezeichnungen und Ortsnamen werden regelmäßig falsch erkannt und müssen redaktionell nachgezogen werden (Projekterfahrung).

Untertitel

Gesprochener Inhalt plus relevante Geräusche, zeitlich synchron. Sie helfen auch beim Ansehen ohne Ton in einer lauten Umgebung.

Transkript

Der vollständige Text unterhalb des Videos, mit Sprecherzuordnung. Er ist durchsuchbar, zitierbar und von Suchmaschinen erfassbar.

Audiodeskription

Beschreibung wesentlicher Bildinformationen, die im Ton nicht vorkommen – etwa eingeblendete Zahlen oder gezeigte Arbeitsschritte.

Zwei Nebenwirkungen sprechen für sorgfältige Untertitel und Transkripte, ganz unabhängig von der Rechtslage. Erstens werden Videos häufig ohne Ton gestartet, besonders unterwegs; ein Transkript rettet dann die Botschaft. Zweitens ist ein Video für Suchmaschinen weitgehend undurchsichtig, das zugehörige Transkript dagegen ist Text. Wie sich Inhalte auf kleinen Bildschirmen bewähren, ordnet der Beitrag zur Bedienbarkeit der Website auf dem Handy ein.

Die Redaktions-Checkliste

Die folgende Liste ist als Abschluss vor der Veröffentlichung gedacht, nicht als Vorgabe beim Schreiben. Sie deckt die Punkte ab, die in der Redaktion entstehen und dort auch behoben werden können – ohne Zugriff auf Vorlagen, Skripte oder das Design-System. Für eine mittelgroße Unterseite dauert der Durchgang erfahrungsgemäß zehn bis fünfzehn Minuten (Projekterfahrung). Für Formulare lohnt sich ein eigener Blick auf Feldbeschriftungen und Fehlermeldungen; welche Anforderungen dort gelten, beschreibt der Beitrag über Kontaktformulare, die Anfragen bringen.

  • Genau eine H1, und sie benennt das Thema der Seite in eigenen Worten.
  • Überschriftenebenen lückenlos: keine Sprünge von H2 auf H4, keine Ebenenwahl nach Schriftgröße.
  • Alle Überschriften untereinander gelesen ergeben eine sinnvolle Gliederung der Seite.
  • Jeder Linktext benennt sein Ziel; kein „hier klicken“, kein alleinstehendes „mehr“, keine nackte Adresse.
  • Verlinkte Symbole tragen einen zugänglichen Namen, damit kein leerer Link entsteht.
  • Absätze beginnen mit ihrer Kernaussage und bleiben unter etwa fünf Sätzen.
  • Abkürzungen sind beim ersten Auftreten ausgeschrieben, Fachbegriffe in einem Halbsatz erklärt.
  • Fremdsprachige Passagen sind ausgezeichnet, die Sprache der Seite ist gesetzt.
  • Informationstragende Bilder haben einen Alternativtext, der die Aussage ersetzt.
  • Öffnungszeiten, Preise und Kontaktdaten stehen als Text auf der Seite, nicht in einer Grafik.
  • Tabellen sind als Tabelle ausgezeichnet, mit Kopfzeile und Beschriftung.
  • Videos haben geprüfte Untertitel und ein Transkript unterhalb des Players.
  • Formularfelder tragen sichtbare Beschriftungen, Fehlermeldungen benennen Feld und Korrektur.
  • Keine Aussage hängt allein an Farbe, Form oder Position.

Der Vorlesetest in vier Schritten

Automatisierte Prüfwerkzeuge finden fehlende Attribute zuverlässig, beurteilen aber weder die Qualität eines Alternativtextes noch die Aussagekraft einer Überschrift. Genau deshalb ist der Vorlesetest so wirksam: Er macht hörbar, was auf dem Bildschirm optisch überspielt wird. Sie brauchen dafür keine Zusatzsoftware. Aktuelle Betriebssysteme bringen eine Vorlesefunktion mit, und in vielen Browsern gibt es eine Lese- oder Vorlesansicht. Wer einen Screenreader nutzt, prüft näher an der Realität; für den ersten Durchgang genügt die Bordfunktion. Wichtig ist nur eines: Der Bildschirm bleibt dabei aus dem Spiel.

  1. Vorlesen starten: Aktivieren Sie die Vorlesefunktion Ihres Betriebssystems oder Ihren Screenreader und öffnen Sie eine typische Unterseite, etwa eine Leistungsseite.
  2. Nur zuhören: Drehen Sie den Bildschirm weg oder schließen Sie die Augen und hören Sie die Seite von oben nach unten. Notieren Sie jede Stelle, an der Sie den Faden verlieren.
  3. Überschriften abrufen: Lassen Sie sich die Überschriftenliste ausgeben und prüfen Sie, ob daraus eine Gliederung entsteht. Fehlt ein Punkt, fehlt eine Überschrift.
  4. Links abrufen: Lassen Sie sich die Linkliste ausgeben. Jeder Eintrag, dessen Ziel Sie ohne Umgebungstext nicht benennen können, ist ein Befund.
  5. Formular abschicken: Füllen Sie das Kontaktformular hörend aus, provozieren Sie einen Fehler und hören Sie, ob Feld und Korrekturhinweis genannt werden.
  6. Befunde sortieren: Trennen Sie redaktionelle Befunde von technischen. Die redaktionellen können Sie sofort korrigieren, die technischen gehören in die Umsetzungsliste.

Ein Durchgang je Nutzungsweg

Prüfen Sie keine einzelnen Seiten, sondern zusammenhängende Wege: von der Startseite über die Leistungsübersicht bis zur abgeschickten Anfrage. Barrieren entstehen selten auf einer isolierten Seite, sondern an Übergängen – beim Wechsel in ein Formular, beim Öffnen eines Ausklappbereichs, beim Erscheinen einer Bestätigung. Ein Durchgang je Weg reicht für den Anfang; Wiederholungen lohnen sich nach größeren Inhaltsänderungen. Ein Vergleich der Vorgehensweisen findet sich in der Gegenüberstellung der Ansätze.

Barrierefreiheit entsteht beim Schreiben

Der Aufwand für barrierefreie Texte hängt stark davon ab, wann er anfällt. Wird die Struktur beim Schreiben mitgedacht, kostet sie kaum Zeit. Wird sie nachträglich hergestellt, betrifft jede Korrektur sämtliche Unterseiten und häufig auch die Vorlagen. Genau an dieser Stelle setzt XICflow an: Die Seiten entstehen aus einem Katalog von Blöcken, die die semantische Struktur vorgeben. Ein Abschnittsblock erzeugt eine Überschrift der passenden Ebene, eine Aufzählung erzeugt eine Liste, eine Tabelle erzeugt eine Tabelle mit Kopfzeile. Die Ebenenfolge bleibt dadurch beim Umsortieren erhalten, statt beim Verschieben eines Absatzes zu zerfallen. Der KI-Assistent schreibt Textvorschläge in klarer Sprache, behält die Überschriftenebenen bei und lässt sich anweisen, Sätze zu kürzen oder Fachbegriffe zu erklären. Was das System sonst noch abdeckt, zeigt die Übersicht der Funktionen von XICflow.

Damit verschiebt sich die Arbeit dorthin, wo sie hingehört: Über den Inhalt entscheidet weiterhin der Betrieb. Ob ein Alternativtext die Aussage eines Fotos trifft, ob ein Fachbegriff für die eigene Kundschaft erklärungsbedürftig ist, ob eine Überschrift das Thema benennt – das kann kein System allein beurteilen. Die Technik kann jedoch verhindern, dass eine korrekte Textentscheidung an der Struktur scheitert. Mehrsprachige Seiten profitieren zusätzlich, weil die Sprachauszeichnung aus der Konfiguration folgt statt aus der Handarbeit; die Details dazu stehen im Beitrag über die mehrsprachige Website mit hreflang. Wie fertige Seiten mit dieser Grundstruktur wirken, lässt sich an den Beispiel-Websites ansehen; was der Aufbau kostet, zeigt die Preisübersicht, und weitere Beiträge zu Struktur, Recht und Technik sammelt das XICflow-Blog.

Nachbesserung ist die teuerste Variante

Ein Text, der beim Schreiben klar gegliedert wurde, braucht später keine Sanierung. Ein Text, der als Layout gedacht wurde, wird bei jedem Prüftermin erneut auffallen. Der Unterschied liegt nicht im Können der Redaktion, sondern in den Werkzeugen: Wo Blöcke die Struktur vorgeben, entsteht sie nebenbei – wo Formatierung die Struktur ersetzt, muss sie jedes Mal neu hergestellt werden.
Dieser Artikel basiert auf Daten aus: WebAIM Million, Aktion Mensch (Test zur Barrierefreiheit deutscher Websites), W3C (Web Content Accessibility Guidelines 2.2), EN 301 549 (Europäische Norm zur digitalen Barrierefreiheit), Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), DIN SPEC 33429 (Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache), Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Statistisches Bundesamt, Europäische Kommission sowie eigener Projekterfahrung.