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Messbarkeit

Anrufe von der Website messbar machen und zuordnen

Der Klick auf die Telefonnummer ist zählbar: Wie kleine Betriebe Anrufe der Website zuordnen, Uhrzeiten auswerten und verpasste Anrufe sichtbar machen.

14 Min. Lesezeit MessbarkeitErreichbarkeitKennzahlenKontaktDatenschutz

Viele kleine Betriebe schauen einmal im Monat auf die Besucherzahlen ihrer Website, sehen ein paar hundert Aufrufe und keine einzige Anfrage im Formular – und ziehen den naheliegenden Schluss: Die Seite bringt nichts. Dabei klingelt in derselben Zeit regelmäßig das Telefon. Der Grund ist eine Lücke in der Messung, nicht in der Website. Bei einem Problem mit einem gekauften Produkt oder einer Dienstleistung greifen 89 Prozent der Menschen zum Telefon, 48 Prozent nutzen ein Kontaktformular oder Kundenportal (Bitkom 2016). Der wichtigste Weg zum Auftrag taucht damit in keiner Auswertung auf. Dieser Beitrag zeigt, wie sich Anrufe der Website zuordnen lassen, ohne Kundendaten zu sammeln: der Klick auf die Telefonnummer als zählbares Ereignis, der Unterschied zwischen Klick und geführtem Gespräch, eine Frage am Telefon, die in fünf Sekunden beantwortet ist, die Auswertung nach Uhrzeit und Wochentag – und die Grenze, an der Rufnummernverfolgung datenschutzrechtlich heikel wird.

Telefonklicks nach Stunde gegen die eigene BesetzungWelche Seite den Anruf auslöst und wann niemand abnimmtTelefonklicks nach StundeBeispielmonat: 121 Klicks auf die Telefonnummer141678910111213141516171819besetzt 8–17 Uhrniemand am ApparatStärkste Stunde: 17 Uhr, da nimmt niemand mehr abVom Klick zum Auftrag121 Telefonklicks96 Gespräche71 mit Anliegen34 AufträgeBeispielwerte eines MonatsNur Zeile 1 zählt die Website44 %erreichten niemanden oderbekamen keine Antwort (Bitkom 2016)Der Klick zählt den Versuch, die Notiz am Telefon zählt das Ergebnis

Der erste Schritt aus der Lücke ist überraschend klein: Der Klick auf eine Telefonnummer ist ein Ereignis wie jedes andere und lässt sich zählen. Auf dem Handy ist dieser Weg der Normalfall – 70 Prozent der Suchenden am Smartphone haben schon einmal direkt aus den Suchergebnissen heraus angerufen (Google/Ipsos 2013), und 98 Prozent hatten beim Suchen am Smartphone zumindest selten das Bedürfnis, einen Betrieb direkt anzurufen (Google/Ipsos 2013). Bei örtlichen Dienstleistungen ist der Termin der häufigste genannte Anrufgrund: 71 bis 76 Prozent führen ihn an (Google/Ipsos 2013). Wer diese Klicks zählt, sieht zum ersten Mal, welche Seite Anrufe auslöst – die Startseite, eine bestimmte Leistungsseite, die Kontaktseite oder der Beitrag über eine häufige Reparatur.

Die Nummer an vier Stellen prüfen

Prüfen Sie Ihre Telefonnummer dort, wo Besucher sie suchen: in der Kopfzeile, auf der Kontaktseite, in der Fußzeile und im Unternehmensprofil bei der Suchmaschine. Im Verweisziel gehört die Nummer in internationaler Schreibweise ohne Leerzeichen, sichtbar darf sie gegliedert bleiben. Eine einzige Schreibweise über alle Stellen hinweg erspart später das Zusammenrechnen – und sorgt dafür, dass jedes Tippen im selben Zähler landet.

Ein Klick ist noch kein Gespräch

Sobald die ersten Zahlen vorliegen, folgt die zweite Erkenntnis: Ein gezählter Klick ist nicht dasselbe wie ein geführtes Gespräch. Zwischen beidem liegen mehrere Stufen, an denen etwas schiefgehen kann.

Jemand tippt versehentlich, bricht den Wählvorgang ab, gerät in die Warteschleife, hört ein Besetztzeichen oder legt auf, weil sich niemand meldet. Umgekehrt gibt es Anrufe, denen gar kein Klick vorausging: Die Nummer wurde vom Bildschirm abgelesen und in ein anderes Gerät getippt, aus dem Adressbuch gewählt oder von einem Zettel. Der Klick ist deshalb ein Näherungswert, kein Kassenbuch – und als Näherungswert ist er trotzdem deutlich mehr wert als gar keine Zahl.

Tippen auf die Nummer

Das zählbare Ereignis auf der Website. Es sagt: Hier hat jemand den Anruf begonnen, und zwar auf dieser Seite.

Verbindung hergestellt

Erst hier klingelt es im Betrieb. Abbrüche vor dem Klingeln bleiben in jeder Auswertung unsichtbar.

Jemand hebt ab

Der Punkt, an dem die meisten Anfragen verloren gehen: außerhalb der Zeiten, im Kundentermin, auf der Baustelle.

Anliegen benannt

Erst das Gespräch zeigt, ob es um einen Auftrag, eine Rückfrage, einen Termin oder eine Reklamation geht.

Herkunft geklärt

Eine kurze Frage ordnet den Anruf der Website, der Suche, der Empfehlung oder dem Schild am Fahrzeug zu.

Auftrag oder Termin

Das Ergebnis, das zählt. Es steht im Kalender und im Auftragsbuch, nicht in der Reichweitenmessung.

Aus dieser Kette folgt eine einfache Arbeitsteilung: Die Website zählt, wie oft ein Anruf begonnen wurde. Was daraus geworden ist, weiß nur, wer den Hörer in der Hand hatte. Beide Zahlen zusammen ergeben ein Bild, jede für sich führt in die Irre. Ein Betrieb mit vierzig Telefonklicks und sechs notierten Aufträgen im Monat weiß mehr über seine Website als einer mit vierhundert Seitenaufrufen und keiner Ahnung, was danach passiert ist. Bleiben beide Zahlen niedrig, obwohl Besucher kommen, lohnt der Blick auf die üblichen Ursachen im Beitrag zu Besuchern ohne Anfragen.

Tabelle waagerecht wischen

FrageKlick auf die NummerNotiz nach dem Gespräch
Welche Seite löst den Anruf aus?Zeigt die Seite, auf der getippt wurdeIm Gespräch selten erinnerbar
Wie viele Anrufe kamen an?Zählt Versuche, nicht VerbindungenZählt das, was tatsächlich geklingelt hat
Worum ging es?Bleibt offenAuftrag, Termin, Rückfrage oder Reklamation
Handy oder Rechner?Am Gerätetyp ablesbarSpielt im Gespräch keine Rolle
Wurde daraus ein Auftrag?Bleibt offenSteht am Ende im Kalender
Woher kannte der Anrufer den Betrieb?Nur, wenn wirklich getippt wurdeEine Frage, eine Antwort

Nach vier Wochen liegt eine Zahl vor, die vorher niemand hatte: der Anteil der Anrufe, die über Website oder Suche kamen. Legt man ihn neben die gezählten Telefonklicks, wird die Rechnung stimmig oder auffällig. Kommen im Monat dreißig Klicks zusammen und zweiundzwanzig Anrufer nennen Suche oder Website als Weg, passt das Bild. Nennen dagegen vierzig Anrufer die Website, obwohl nur zwölf Klicks gezählt wurden, wird die Nummer offenbar häufig abgelesen statt angetippt – ein Hinweis darauf, dass sie an schlecht erreichbarer Stelle steht, nicht als Verweis hinterlegt ist oder überwiegend am Rechner gelesen wird.

Anrufe nach Uhrzeit und Wochentag lesen

Die zweite Auswertung, die sich unmittelbar auszahlt, ist die zeitliche. Telefonklicks tragen einen Zeitstempel, und Anrufe verteilen sich in kleinen Betrieben selten gleichmäßig.

Typisch sind zwei Wellen: der frühe Morgen, bevor der Arbeitstag der Anrufer beginnt, und der späte Nachmittag nach Feierabend. Dazu kommt in vielen Gewerken ein Montagsberg, weil sich am Wochenende aufgestaut hat, was am Freitag liegen blieb. Wer diese Verteilung kennt, kann sie gegen die eigene Besetzung legen – und sieht sofort, ob die Stunden mit den meisten Anrufen auch die Stunden sind, in denen jemand am Apparat ist. Betriebe, deren Auftragsbuch ohnehin voll ist, nutzen dieselbe Auswertung, um Anfragen zu steuern statt sie abzuweisen; wie das geht, zeigt der Beitrag zur Auslastung über die Website steuern.

Die Frage lautet nicht, ob man rund um die Uhr erreichbar sein will – das ist für einen kleinen Betrieb weder machbar noch nötig. Die Frage ist, ob die zugesagte Erreichbarkeit zu den tatsächlichen Anrufzeiten passt und ob die Website diese Zeiten korrekt nennt. Eine Rufzeit von 8 bis 17 Uhr auf der Kontaktseite nützt wenig, wenn die stärkste Stunde um 17 Uhr liegt. Wie sich Öffnungs- und Rückrufzeiten dauerhaft aktuell halten lassen, zeigt der Beitrag zu Öffnungszeiten und Erreichbarkeit.

  • Telefonklicks nach Stunde auswerten und die zwei stärksten Zeitfenster markieren.
  • Die eigene Besetzung als zweite Zeile darunterlegen: Wer nimmt wann tatsächlich ab?
  • Lücken benennen – Mittagszeit, Baustellentage, Urlaubsvertretung, Freitagnachmittag.
  • Rückrufzeiten auf der Website nennen, statt Dauererreichbarkeit zu versprechen.
  • Die Ansage auf dem Anrufbeantworter auf die tatsächlichen Zeiten abstimmen.
  • Für die Randzeiten ein Rückrufformular anbieten, das ohne Gespräch auskommt.
  • Nach vier Wochen erneut messen: Hat sich die Verteilung verschoben?
  • Saison mitdenken – Heizungsausfälle im Winter und Gartenanfragen im Frühjahr verschieben die Spitzen.

Zwei Zahlenreihen, eine Entscheidung

Telefonklicks nach Stunde und die eigene Besetzung nach Stunde – mehr braucht es nicht, um zu erkennen, wo Anfragen liegen bleiben. In vielen Betrieben liegt die stärkste Anrufstunde vor der offiziellen Öffnung oder nach Feierabend. Wer das weiß, verschiebt eine halbe Stunde Präsenz, statt den ganzen Tagesablauf umzubauen.

Ein verpasster Anruf ist eine Anfrage, die stattgefunden hat, aber in keiner Auswertung steht – und deshalb auch nicht nachgebessert wird.

Ein zweiter Punkt betrifft die Einheitlichkeit der Rufnummer nach außen. Wechselnde Nummern in Suchergebnissen, Verzeichnissen und im Unternehmensprofil erschweren die örtliche Auffindbarkeit, weil Name, Adresse und Telefonnummer als zusammengehöriges Signal gelesen werden; die Hinweise zum Unternehmensprofil verlangen deshalb, die Hauptrufnummer weiterhin zu hinterlegen (Google-Dokumentation). Eine feste, überall gleiche Nummer ist für kleine Betriebe die ruhigere Lösung – und mit gezählten Telefonklicks verliert man dabei nichts, weil die Zuordnung zur Seite auf der Website entsteht und nicht in der Telefonanlage. Wie sich das Profil sauber pflegen lässt, zeigt der Beitrag zum Unternehmensprofil bei der Suchmaschine.

Das Rückrufformular als Auffangnetz

Außerhalb der Erreichbarkeit braucht es einen zweiten Weg, der nicht klingelt.

Ein Rückrufformular ist dafür die schlankeste Form: Name, Rufnummer, ein Zeitfenster zur Auswahl, dazu ein Satz zum Anliegen – mehr Felder senken die Ausfüllquote, ohne die Antwort zu verbessern. Wichtig ist die Zusage, die daneben steht: „Wir rufen werktags bis 17 Uhr zurück, in der Regel innerhalb weniger Stunden“ ist konkreter und ehrlicher als „Wir melden uns schnellstmöglich“. Und weil ein abgeschicktes Formular ebenfalls ein zählbares Ereignis ist, schließt sich die Messlücke an dieser Stelle von selbst: Telefonklick, Rückrufwunsch und Formularanfrage stehen dann nebeneinander. Worauf es beim Aufbau ankommt, beschreibt der Beitrag zum Kontaktformular; wie sich Anfragen vorab einordnen lassen, zeigt der Beitrag zum Preisrechner auf der Website.

Ein Rückrufformular entlastet auch dann, wenn viele Anrufe dasselbe Anliegen haben. Bestandskunden brauchen oft gar kein Gespräch, sondern nur ein Formular für den wiederkehrenden Fall – Wartungstermin, Nachbestellung, Störungsmeldung. Wie sich das sauber abbilden lässt, behandelt der Beitrag zu Serviceformularen für Bestandskunden. Jeder Anruf, der dadurch gar nicht erst nötig wird, verschafft der Leitung Luft für die Gespräche, aus denen tatsächlich Aufträge werden. Auch das ist eine Form der Messbarkeit: Was als Formular kommt, ist gezählt, bevor es jemand bearbeitet.

Quellen und Studien

Dieser Artikel basiert auf Daten von Bitkom, Google/Ipsos und dem Statistischen Bundesamt. Die genannten Zahlen beziehen sich auf den Stand der jeweiligen Veröffentlichung.